Samstag, 27. September 2008

Nur geträumt

Manche Erlebnisse hinterlassen Eindruck. Die manchmal traummässig verarbeitet werden müssen.

Mutter eins baut sich vor dem Stand auf, während Lars-Kevin auf Augenhöhe die Spielzeugautos begrabbelt und mit seinen Stummelbeinen hemmungslos die unten stehenden Ski-Stiefel ummäht.

"Auto ! Haben wollen !!"
"Wieviel ?"
"Eins fuffzich."
"So viel ? 1 Euro!"

Und der blonde Flohmarktverkäufer verwandelt sich in Luigi, den Drehorgelspieler. Er setzt seine versiffte Mütze schief auf den Kopf, klebt sich den versifften schwarzen Schnurrbart ins Gesicht und fängt an zu lamentieren:

"Eine Euro. Du mich wolle arm machen ? Habe isch siebe Bambini in Sizila.
"Sieben ??"
"Nische so laute. Frau wisse nur von zwei, mache immer Stress sonst. Piano per favore ...."
"Und wie heissen die ?"
Luigi, Angelo, Fernando, Alfonso, Habib, Carlo e Marco."
"Habib ?"
"Ja, ware eine Unfall mit Araberin."
"Und alles Jungs ?"
"Ja ! Werde alle Drehorgelspieler wenn mal gross sind."
"Na gut, einsfuzzich."
"Danke, danke. Kann isch kaufe Pizza jetzt für Bambini. Oder Pokemonkarten, wasse auch immer."

Dann hat der Wecker geklingelt. Und ich hatte keinen Schnauzbart im Mund, sondern eine Ecke meines Kopfkissens.

Mittwoch, 10. September 2008

...

380 Kilometer gefahren, 20 bis zum Ziel. Die letzte Baustelle, abends um dunkelfinster.

Auf der Gegenspur haben sich zwei Limousinen ineinander verhakt. Wir gurken mit knapp über 60 daran vorbei, keine Ahnung wieso, denn selbst wenn da was zu sehen wäre, es ist viel zu dunkel.

Kaum an der Unfallstelle vorbei, überholen mich zwei Smarts und scheren vor mir ein. An meiner Ausfahrt biegen sie vor mir ab und teilen sich auf. Einer nach links zum Audi-Händler, einer nach rechts in Richtung Daimler.

Diese neuen Limousinen sind schon geil, Rettungskapseln gleich mit eingebaut.

Sonntag, 31. August 2008

Flohmarkt

Samstag
20:00 Packen des Inhalts einer Dreizimmerwohnung in einen Golf. Inklusive eines Bierbanktischs.

21:00 Langstreckenbaden. Geistig-Moralische Einstimmung auf den nächsten Tag.

Sonntag
06:00 Aufbau des Stands. Ohne meine Mithilfe. Falsche Uhrzeit.

07:00 Feldmarschmässiges Kaffeekochen für die Truppenversorgung. Blindes Autofahren quer durch die Stadt. Einäugiges Hörnchenkaufen beim örtlichen Bäcker.

07:45 Sie sind da. Alle. Mit Megatonnen von ... Dingen. Haben die alle kein Zuhause ? Oder hier übernachtet ? Der Stand ist perfekt gelegen und bereits perfekt dekoriert.

08:00 Gespannte Erwartung. Senil Bettflüchtige und notorische Frühaufsteher begutachten die Waren. Vereinzelte Geschäfte werden abgeschlossen.

08:15 Die Dönerbude im Rücken des Stands macht auf.

08:30 Es zeichnet sich ab, dass Schrott geht, halbwegs nützliche Dinge jedoch wie Blei liegen bleiben. Erste Preisfindungen für Spielzeugautos. Bei einem Euro wird nicht gehandelt, alles drüber führt zu basarähnlichen Zuständen.

08:45 Die Dönerbude spielt türkische Volksmusik. Das dudelnde Plastik-Mobile fällt zum ersten Mal von seiner provisorischen Halterung.

09:00 Spielzeugautos sind der Renner. Jeder einzelne Euro wird umgehend in Pokemon-Karten investiert.

09:15 Besichtigung der Konkurrenz. Sperrmüll meldet man bei der Stadt an, dann kommt eine grosse Müllpresse. Man muss den Mist nicht aufbauen. Aber man kann. Mehrfach.

09:30 Durchhänger. Bis die Vollzeitmütter mit dem pädagogisch wertvollen Blick kommen, ist noch eine Stunde.

10:00 Es muss Menge gemacht werden. Also eigentlich Volumen. Da sind ein paar grosse Dinge, die müssen weg, koste es, was es wolle.

10:15 Ich bin 5 Minuten allein am Stand. Urplötzlich ist die Hölle los.

10:30 Geistesblitz. Eine "zu verschenken-Kiste". Auch wenn sie in meinen Augen durchaus begehbar hätte sein dürfen, sie wirkt wie eine Mottenfalle. Und sie kann nachgefüllt werden.

10:45 Besichtigung der Konkurrenz. Irgendwie geht bei denen gar nix. Bei der Rückkehr ist eins der grossvolumigen Teile vom Stand verschwunden. Chakka.

11:00 Kinderklamotten und -schuhe gehen überhaupt nicht. Babylonisches Sprachgewirr in Stereo. Die Türken vom Dönerstand unterhalten sich über fünf Meter hinweg mit irgendwem, dessen Sprache stark dem Klingonischen ähnelt.

11:30 Die pädagogisch Angehauchten kommen und blättern Kinderbücher durch. Pädagogisch wertvolles Spielzeug wird verkauft. Weniger als Spielzeugautos, aber immerhin. Das dudelnde Plastik-Mobile fällt zum dreiundzwanzigsten Mal von seiner provisorischen Halterung.

12:00 Die Dönerbude spielt zum achten Mal das gleiche Lied. Der Kaffee ist leer. Die Menge an Dingen hat sich drastisch verringert. Erstes Frohlocken macht sich breit. Es muss weniger Zeug zurück in den Keller geschleppt werden, als hochgeschleppt werden musste.

12:15 Die Verdauungsspaziergänger treffen ein. Nutzloses Volk, viel zu vertrant, um irgendwas zu kaufen. Geniessen alle nur das schöne Wetter.

12:30 Die Auslage leert sich zusehends. Nur noch ein Bodensatz an Spielzeugautos lässt sich zwischen Mengen von Memoryspielen und Klamotten drapieren.

13:00 Schlussrallye. In ner halben Stunde werden die Hühner gesattelt. Das dudelnde Mobile wird verkauft. Die Geschenkekiste ist der Brüller. Egal was drin liegt, die Leute brauchen es. Sogar das schwule Barbi-Traumhaus findet einen Abnehmer.

13:30 Mülltrennung extrem: Pädagogisch wertvoller Mist wird getrennt von normalem Mist in Kisten verstaut. In wesentlich weniger Kisten als am Tag zuvor.

13:45 Die Helden sind erschöpft.

14:00 Schwankend zwischen der Ansicht, ein kapitaler Scheiterhaufen im Garten wäre die weniger aufwändige Lösung gewesen, und den 73 Euro irgendwas Erlös, falle ich komatös in meine Badewanne. Es gibt Sachen, die muss man mal gemacht haben.

Sonntag, 17. August 2008

Kartenschwäche

Gut, wir Männer ahnten es schon lange. Nicht umsonst sind wir stundenlang Marmeladenflecken entgegengefahren ("guck, da ist ein Badesee!") oder fanden beim Seitenblick auf die Karte München unterhalb der Alpen wieder ("Ich kann das nich, ohne die Karte richtig rum zu drehen!").

Beunruhigend ist, dass auch ein Physikstudium nicht vor kartentechnischer Leseschwäche schützt. Und wie sonst wäre zu erklären, dass unser aller Angie sich stark macht für die Aufnahme Georgiens in die NATO.

NATO. Angie ? Hallo ? Erde an Angie ? Schon mal gehört ? Angie, buchstabier doch mal NATO. Und dann sag mir die Langform davon.

Nur-Angie-trägt-Ocker ? Jaha, fast hättest Du's gehabt. War aber auch schwer.

Nein Angie, das N und das A stehen für North-Atlantic. North-Atlantic, Angie, das ist der supergrosse blaue Marmeladenfleck zwischen den Amis und uns, so ganz grob gesprochen.

So Angie, und nu schau mer mal, wo Georgien liegen könnt. Nein Angie, Deinen alten DDR-Atlas kannst Du jetzt mal weglegen, da is das noch nicht drin. Nimm mal nen aktuellen. Und jetzt schau mal.

Ja, stimmt schon. Georgien liegt auch am Meer, also an einem Marmeladenfleck, um genauer zu sein. Aber ganz ehrlich, fällt Dir an der Farbe nix auf ? Gar nix ? Der Marmeladenfleck ist schwarz ! Das ist Johannisbeer, nicht Pflaume ! Wir anderen nennen diesen Teich schwarzes Meer. Und dieser Teich hat nicht mal ne direkte Verbindung zum Atlantik, da musst Du erst mal durch den Marmeladenfleck durch, der so rund um Italien rum liegt.

Ich mein, die Türkei, deren grösster Teil nicht mal in Europa liegt, in die EU aufnehmen zu wollen, das kann man geographisch so grade mal durchgehen lassen. Immerhin standen die Eumel mal vor Wien. Naja, ok, Wien ist an sich auch eher Balkan als Europa, aber das ist ein anderes Thema.

Aber Georgien ? In die NATO ? Angie ! Wie wärs mit Hawaii ? Oder Neuseeland ? Oder Chile ?

Donnerstag, 14. August 2008

Ich habe es satt

Gesungene Werbung ist ja schon scheisse. Aber gereimte ist der Oberhammer.

Lieber Onkel Ferrero. Ich weiss ja nicht, wie Du damals Deine Holde eingeschläfert hast.

Aber bevor Du weiter solchen Mist reimst, hier was Fertiges. Kannst Du sofort verwenden. Honorar klären wir dann noch.

Zwei spitze Buben aus Regen
Wollten die Carmen flachlegen

Der eine reimte sie voll
das fand sie gar nicht so toll

Der andere war hell
und zückte sein Duplo ganz schnell

Sie hat gestöhnt wie nie
Scheiss auf die Duplomatie


Und solange das nicht übern Sender gegangen ist, kauf ich nur noch bei der Konkurrenz.
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a life less ordinary ?

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