Achilles-Ferse

Schade.

Achim Achilles ist seit Jahren der erste Kolumnist, der den verstaubten Nachrichtenmief bei den Üblichen Verdächtigen ein bisschen aufgelockert hat, ohne sofort und unmittelbar als strunzdumm und verwandt mit einem gewissen Wagner bei der anderen Feldpostnummer erkennbar zu sein. Und er hat zumindest einem Printmedium mit dem Charme von Hornbrille und Nierentisch den Touch eines modernen Magazins gegeben, das sich auch mal was traut, statt immer nur im pseudoneutralen und daher meinungslosen Berichten zu versanden.

Und so hat Achilles serienweise Kolumnen für Spiegel-Online verfasst, immer rund ums Thema Joggen und immer unter galliger Ächtung der seltsamen Gestalten, die im Sommer mit Skistöcken durchs Unterholz watscheln, korrigiere, walken.

Und was passiert heute ? Sie treten den Beweis an, dass unsere Journaille noch genauso wenig Arsch in der Hose hat wie vor zehn, zwanzig oder 100 Jahren. Denn die obersten Bedenkenträger, offiziell Chefredakteure genannt, fühlen sich bemüssigt, eine Entschuldigung für eine Kolumne abzudrucken. IN DREI SPRACHEN !

Freunde, Ihr seid peinlich. An Eurer Stelle würde ich mich schämen. Statt über die Handvoll Berufsbetroffener zu lachen, die sich pavlowschen Hunden ähnlich immer dann aufregen, wenn mal jemand nicht unter Zuhilfenahme des Konjunktiv II formuliert, und statt den guten Achilles als Antwort auf die Lackaffen gleich noch einen draufsetzen zu lassen, kuscht Ihr Beamtenhirne und erklärt uns stattdessen, was Satire angeblich ist, und was sie darf. Als ob gerade Ihr diejenigen wärt, die uns dieses nahebringen könnten !

Experiment Moderne gescheitert, zurück zum Schreibstubenjounalismus mit Absegnung durch drei Instanzen. Möge es Euch eine Million Leser kosten. Und Achilles, wechsel den Namen, und geh zur Konkurrenz. Die Schisshasendichte ist in anderen Redaktionen deutlich dünner.
ElsaLaska - 28. Jun, 23:00

hat er die azzurri beleidigt? wo ist denn die kolumne? die hätte mich jetzt mächtig interessiert!

ElsaLaska - 28. Jun, 23:30

oi ich hab auf der gazzetta dello sport eine replik dazu gefunden. also wenn die italienischen spieler wirklich als "Parasiten" bezeichnet wurden, haben die sich alle zu recht aufgeregt.
da kann ich oder du besser satire, ehrlich.

castagir (Gast) - 29. Jun, 00:47

Ich seh das anders

Achilles hat noch nie unter diesem Namen auch nur ein ernstes Wort von sich gegeben. Und jeder der ihn kennt, schüttet sich aus vor Lachen, und dieser Artikel hat kein Stück aus dem Rest seiner Schreibe rausgestochen. Jetzt das Jammern anzufangen ist in meinen Augen verlogen. Zieht er über eine unbedeutende Randgruppe her (die Walker), kringelt sich die Leserschaft vor Lachen. Kommentiert er den peinlichen Auftritt einer Nationalmannschaft, die letzten Endes genau den Eindruck hinterlassen hat, den er -zugegebenermassen drastisch- beschreibt, ist er plötzlich böse. Aber dass sich irgendein Berufsbetroffener aufregt, ist ja von mir aus noch in Ordnung. Wäre ich ein z.B. italienischer Walker, wäre ich vermutlich auch angepisst von seinen Texten.

Aber dass sich eine Redaktion dieser Grösse so klein macht und da einknickt, das find ich unterirdisch. Das ist so armselig wie die Art, auf die es geschah, erst die Kolumne verschlimmbessern, um sie dann ganz offline nehmen. Ich seh die ganzen Chefredakteure förmlich dasitzen und brainstormen "durch welches politsch korrekte Wort ersetzen wir jetzt 'Parasit', ohne den Sinn zu entstellen ?" . Stümperhafter geht's in meinen Augen nicht mehr.

Über metager.de konnte man den Text heut abend nach wie vor finden, sie waren ja sogar zu dämlich, ihn im ersten Anlauf korrekt aus dem CMS zu nehmen.
castagir (Gast) - 29. Jun, 01:05

Wesentlich abgeklärter ...

hätte ich es z.B. gefunden, wenn sie ihn selber eine Gegendarstellung hätten schreiben lassen. In seinem eigenen Stil. Das hätte Coolness gezeigt.

Die BILD hatte z.B. online zeitweise nach dem Layoutwechsel eine feste Rubrik "Gegendarstellung", weil sie ständig irgendwas gegendarzustellen hatten und es ihnen wohl zu doof war, die ständig ins Layout einzuflicken. Manchmal war sie leer, wenn sie grade mal an einem Tag keinen groben Mist verbockt hatten. Sowas ist lässig, aber was der Spiegel tut ist verkrampft. Wenn sie über jedem Halbsatz in der Printausgabe dreimal rumbrüten und den Justitiar Korrektur lesen lassen, von mir aus. Online lebt von Schnelligkeit. Und da muss auch mal einer ein Fass aufmachen dürfen.
ElsaLaska - 29. Jun, 01:11

ich kenn den text ja nicht, aber was ich indirekt darüber gelesen hab, ist nichtmal GUTE satire. dass die azzurri jetzt irgendwie beleidigt sind, versteh ich auch, die haben halt gesehen: spiegel online veröffentlicht das und kriegen das ja nicht mit, was dahinter steht, wer dieser achilles ist, was das alles so zu bedeuten hat, die ganzen tiefsinnigkeiten (?), hüstel. das gab einen riesenartikel in der gazzetta dello sport. und das kam gut an, dass die sich entschuldigt haben.
nee. DAS muss echt nicht sein. das kann man anders machen, das ist einfach nur bescheuert. satire bedeutet nicht, dass man mit brachialvokabular um sich haut. ein bisschen intelligenz darf ruhig dabei sein. ich bin auch ein großer verfechter des "satire darf alles"-credos, aber bei parasiten hört es auch bei mir auf. und ich bin ansonsten ziemlich schmerzfrei. vielleicht nicht ganz so schmerzfrei wie du *gg*.
okay, und ich hab natürlich überhaupt kein interesse an einer störung des italienisch-deutschen verhältnisses. ich bin echt froh, dass die zeiten, in denen man als deutscher blöd angemacht wurde im ausland vorbei sind. da brauch ich diesen achilles nun echt nicht auch noch für. soll er für die titanic schreiben, die liest eh keiner mehr :)
ElsaLaska - 29. Jun, 01:14

ja, klar. aber hätte er ein interesse daran gehabt? ich ja nicht.
wenn ich eine in meinen augen gelungene satire geschrieben habe, die azzurri flippen aus, die redaktion flippt aus, mag ich bestimmt nicht gleich mich selbst hinterher dementieren. weiß nicht.
nee, ich fand das okay so. aber ich leb halt auch in italien, ich muss gucken, dass die chose läuft :)
castagir - 29. Jun, 01:25

Räusper

Du, ich komm grad aus Rom. Die chose da läuft mit oder ohne sowas. Der Cappuchino ist besser, das Wetter wärmer aber trockener, und dem Petersdom ist der ganze Scheiss total egal. Und der hat schon mehr gesehen als das.

Den Text ? Kein Thema. Technorati.com, als Suchtext den Link zur Entschuldigung, und schwupps, haste sowohl mich, als auch den originalen Text, bissle weiter unten :-)
ElsaLaska - 29. Jun, 01:27

DU MEINST

Achilles wird vom Vatikan für seine Beleidigungen bezahlt?
*erschüttert*

Ja es ist sauwarm. Und ich hab mir jetzt schon zum fünften Mal den Daumen verbrannt, trotz reminder ...
Und ich hab tricolora geflaggt. Und ich liebe meine azzurri. Und Lehmann!
castagir - 29. Jun, 01:35

Ich noch im Zwiespalt

Vor vier Jahren hab ich unüberlegt meinen Bart verwettet, als man mir ankündigte wir würden ins Halbfinale kommen. Gegen Südkorea. Gut, mein Bekanntenkreis hat mir bestätigt, dass ich ohne Bart noch besser aussehe, aber trotzdem.

Ich habe noch keine Flagge auf meinem Auto. Und ich traue mich nicht wetten, dass da nicht noch eine hin kommt.

Und nebenbei: Ich liebe vollgefrostete San Benedetto-Fläschchen hinten im kleinen Schulterrucksack, es gibt nix besseres zum Kühlen auf der Via Nazionale.
ElsaLaska - 29. Jun, 01:40

ich lass mir ja grad einen bart stehen, bis die deutschen im finale sind.
oder die italiener, das ist ja optional bei mir. lieber die deutschen natürlich.
ElsaLaska - 29. Jun, 02:29

so jetzt hab ich mich

durch technorati durchgeackert. wenn die kolumne wirklich so war, wie in diesem feldpost dings zusammengefasst, das man leider nicht verlinken kann, dann war sie ja sogar recht lustig. dann issses dumm gelaufen, dass man, falls das wirklich da stand "parasitäre lebensform" in der italienischen presse mit "Parasiten" übersetzt hat und das frankweg einfach auf die mannschaft bezogen hat und halt auf die italiener per se. dennoch muss ich einräumen, dass die spiegel redaktion schon auch recht hat, wenn sie sagen, dass satire nur dann gut ist, wenn sie zugespitzt ist etc. und nicht beleidigend. das ist schon auch das wesen von satire: nicht plump herumknallen, kein stürmerjargon, schön rundumschlagen und zwar so geschickt, das jeder sich durchaus angesprochen und keiner sich beschimpft fühlt. das ist so meine kleine theorie der satire.
aber egal jetzt, ich seh auch deinen standpunkt.
interessanter diskussionsstoff allemal.

Peter Turi (Gast) - 29. Jun, 10:34

Originaltext hier:

ElsaLaska - 29. Jun, 10:55

na super

das ist heute überall auf dem titel, in jeder italienischen zeitung.
und genau wie ich mir das vorgestellt hatte, wird überall der Spiegel als Nachrichtenmagazin zitiert und nirgendwo steht was von Satire, sondern überall "Kritik an den Spielern und den Italienern generell".
Jetzt reg ich mich auch auf über diese Kappen von der Redaktion.
Allerdings aus genau gegensätzlichen Gründen.

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