Montag, 21. September 2009

Bam Bam The Plunderer - Genesis

(Kapitel I, Einleitung siehe weiter unten)

Bam Bam der Barbar

Bam Bam war menschlich, männlich, vom Glauben her neutral eingestellt. Die Götter hatten folgende Einstellungen für ihn ausgewürfelt:
  • Strength: 18/01 (recht kräftig)
  • Dexterity: 16 (er haute auch nicht jedesmal daneben beim Kampf)
  • Constitution: 18 (seine Wunden heilten recht gut)
  • Intelligence: 7 (also dumm wie ein Schrubber)
  • Weisheit: 8 (mit Zaubersprüchen war auch nicht viel los)
  • Charisma: 6 (vermutlich stank er wie ein brünftiger Iltis, die Dinge in den Shops würden also teuer sein)
Er hatte nicht nur seinen Eltern die Haare vom Kopf, sondern auch den Hund auf- und das Aquarium leergefressen, und deshalb war er gestern zu Hause rausgeflogen.

Als Fred, sein Vater, ihn vor die Tür setzte hatte er nur bei sich, was er auf dem Leib trug, seinen eisengewirkten Sabberlatz, c - an uncursed +0 ring mail (being worn). Seine Mutter steckte ihm noch ein Fresspaket zu, dann wurde der Türstein vor die Höhlenöffnung gerollt und er sass draussen im Regen. Bevor die Höhle verschlossen wurde, warf Wilma noch seine Lauf-Lern-Schuhe durch den Eingang, so dass sie direkt neben ihm zu liegen kamen. Er kroch hinüber.

"a pair of low boots."

Was tun allein, draussen, im Regen ? Bam Bam zog sich eine Schuppe aus den zähnen, diese verdammten Goldfische schmeckten nach Hund. Neben ihm hockte ein nasses Bündel Haare, dass jämmerlich miaute.

Es war spät am Nachmittag, und nach fünf Minuten im Regen war er klatschnass. Nachdem Bam Bam vergeblich gegen den Türstein gehämmert und nur ein wütendes "Verschwinde endlich" von Fred gehört hatte, machten er und Carlito sich auf den Weg, einen Schlafplatz für die Nacht zu finden. Zumindest hatte Fred ihm noch das Spielzeugschwert von Bam Bams älterem Bruder durch die Lücke zwischen Stein und Höhle gereicht, allerdings war es so schwer, dass er es mit beiden Händen halten musste. Die Axt hatte er aus dem Hackklotz neben der Höhle gezogen, auf dem immer das Feuerholz geschitten wurde.

Bam Bams Heimatland war bergig, mit vielen Höhlen in den schroffen Bergwänden. Natürlich waren die meisten und besser zugänglichen Höhlen von anderen Sippen bewohnt, aber Bam Bam kannte eine ziemlich unzugängliche Höhle nur wenige Schritte entfernt im Hang. Kriechend oder barfuss kam er allerdings nicht gut weiter. Er schaute die Stiefel an. Hellblau, mit gelben Entchen drauf. 'Mama, die schauen schwul aus' hatte er damals im Laden schon gesagt, als was solls, dachte sich Bam Bam, zog sie an und stand unsicher auf.

"you walk very quietly."

Oh hübsch, Elfen-Schuhe ! Das war eine gute Nachricht, denn Bam Bam war prinzipiell ein fürchterlicher Grobmotoriker, den man schon auf hundert Meter Entfernung durch die Gegend poltern hören konnte.

'Was für ein grosser Junge ich doch bin' krähte er fröhlich und stolperte durchs Unterholz zum versteckten Eingang. Carlito folgte ihm brav. Bam Bam mochte Katzen nicht sehr, aber carlito könnte immerhin als Frühstück dienen, und man musste ihn nicht mal tragen. Daher betrachtete er Carlito eher als so eine Art Essen auf Füssen.

Bam Bam kletterte durch den Eingang der Höhle. Nach einigen Metern erweiterte sich der schmale Schlauch zu einem grossen Raum, an dessen anderem Ende er
etwas auf dem Boden liegen sah.

"You displaced carlito."

Dieses blöde Vieh. Es hupfte wie ein Ziegenbock um ihn herum und irgendwie war es ständig im Weg. Aber anders als andere Monster war sein Symbol (f) weiss unterlegt, carlito war also kein Monster, und wenn Bam Bam versuchte, nach ihm zu schlagen wie nach einer lästigen Fliege, schubste er ihn statt dessen nur aus dem Weg.

Whoops, was kommt denn da angerannt ? ein braunes r, eine Ratte. Selbst für einen schmalbrüstigen Weichling wie Bam Bam stellte eine Ratte kein Problem dar.

Allerdings hatten sie die Eingenschaft, immer die halbe Familie mit zu bringen. Er meinte sich, in einem früheren Leben (er erinnerte sich dunkel, eine Art Ritter gewesen zu sein), mehr als einmal von einer Horde Ratten erledigt worden zu sein. Aber Bam Bam war ein Barbar, dumm wie Brot und mit dem sanftmütigen Wesen eines Pitbulls. Natürlich hatte die Ratte einen Betriebsausflug mit den Kollegen gemacht, aber alle vier wurden schnell und zuverlässig erledigt.

carlito fraß die Überreste. Essen, das sich selbst ernährt, Bam Bam musste grinsen.

"The newt bites."
"you miss the newt. The newt just misses!"

Bam-Bam-1

"You kill the newt."

Der blinkende Gegenstand hinten im Eck des Raumes war immer noch da und Bam Bam steuerte direkt darauf zu.

"You fall through a trap door".

Hoppala. Bam Bam wischte sich Dreck und Spinnweben aus dem Gesicht und warf einen ängstlichen Blick auf die Level-Anzeige. Dungeon Level 4, oh verdammt ! Was soll denn ein Baby-Barbar in Level 4 schon tun ausser sich hinzusetzen und zu warten, dass einer der grossen Jungs ihm das bisschen Grips aus der Birne haut.

Vorsichtig schlich er durch den dunklen Korridor, bis er in einen Raum kam. Vor ihm tauchte ein Monster auf.

"You are almost hit by a dart."

Welcher Fiesling schmeisst denn hier mit Pfeilen ?

"You kill the kobold. welcome to experience level 2."

Das ging ja zügig. 24 Hitpoints statt 16.

"You kill the kobold."
"carlito eats a kobold corpse."
"You see here a bag."
"g - a bag."

Mensch, klasse ! Das ist ja wie Weihnachten, freute sich Bam Bam. Bags waren wertvolle Gegenstände. Man konnte andere Sachen darin verstauen, so dass sie einem nicht gestohlen werden, oder durch feuerspeiende Monster verschmurgelt werden konnten. Wieder erinnerte Bam Bam sich an ein früheres Leben. Dort war er kein Ritter, sondern er sah in seinem Geist irgendeine Art Handwerker, der mit Bildschirmen hantierte, auf einer Tastatur rumhämmerte und ungebührlich vor sich hin fluchte. Und er erinnerte sich daran wie er immer am Freitag im Supermarkt, wo er aus Faulheit mal wieder keinen Einkaufswagen genommen hatte, und beladen mit 30 verschiedenen Dingen in Richtung Kasse torkelte. Er war also offenbar schon einmal ein Barbar gewesen. Und nun eine bag auf Level 4. Vielleicht sogar eine magic bag, die alle Sachen in ihr leichter machte als sie normalerweise waren. Sofort reinschauen, wer weiß, was da alles tolles drin steckt.

(a)pply g

"the jackal bites."

Wo kommt der denn her ? Zing. (a)apply bag.

"the lichen bites." Zing. (d)rop g.

War ja klar, fluchte Bam Bam. Die Götter haben einen seltsamen Humor. Erst denkst Du sie meinen es gut, dann treten sie Dich mit Anlauf in den Arsch. Diese
bags of tricks waren eigentlich Damenhandtaschen, das einzige Ding im Universum, in dem mehr drin sein konnte als phyikalisch möglich. Wie anders war es zu erklären, dass beim nächsten Öffnen ein weiterer Kobold aus ihr heraus kroch, und beim übernächsten zwei Jackals. Aus einer Damenhandtasche. Zing, Zing, Zing. Weningstens waren die Monster immer beherrschbar.

(d)rop g. Barbaren hassen Damenhandtaschen.

"You drop a bag of tricks."

"The door is closed."
"The door is locked."

Und wer hat den Schlüssel ?

(k)ick.
"In what direction?"
"As you kick the door, it crashes open!"
"You see here 6 gold pieces."

Ah ein Treppenhaus. Leider weiter nach unten. Bam Bam ging die Treppe runter, und schaute sich um. Er stand in einem Raum mit einem am oberen Ende lag eine
Schriftrolle (scroll). Er rannte die paar Schritte, und hob sie auf.

"you see here a scroll labeled TEMOV."
"h - a scroll labeled TEMOV."

Viel Zeug lag ja nicht gerade rum. Bam Bam stieg die Treppe wieder hoch in Level 4. Schon dort war er an sich falsch aufgehoben, als XP2-Weichei hätte er dort nicht sein sollen.

"You hear a door open."

Irgendwer/was musste da wohl noch rumlungern. Hoffentlich fand er die Treppe weiter nach oben eher als dieses Vieh ihn.

"A bear trap closes on your foot!"

Ach Mist. Das tat nicht nur weh, Bam Bam konnte sich auch nicht sofort aus der Falle befreien. Er wusste, in den Höhlen lauerten überall die unterschiedlichsten Gefahren. Aber er konnte doch nicht vor jedem Schritt in die Unterwelt nach versteckten Fallen suchen ! 20 Runden brachte er damit zu, sich aus der Falle zu befreien.

(u)ntrap

"Whoops ... a bear trap closes on your foot!"

Bam Bam klatschte sich vor die Stirn, nachdem er die verdammte Bärenfalle erneut von seinem Fuss gezogen hatte. 'Hör auf zu träumen, Du Riesenbaby! Du bist kein intelligenter Ritter, Du bist ein strunzdummer Fleischklops voller Muskeln und Testosteron! Wie kommst Du auf die Schnapsidee intelligent genug zu sein,
eine Schlagfalle zu entschärfen?''

"You kill the coyote! Welcome to experience level 3."
"The coyote misses."
Zing.
"The coyote bites!"
Zing. Dieses Spielzeugschwert war schwer, und es taugte offenbar nicht viel.
"You kill the coyote!"
27 von 35 Hitpoints übrig.
"You hear the footsteps of a guard on patrol."

Aha, da schlich noch einer rum. Vorsichtig ging Bam Bam weiter und versuchte, nicht allzu sehr rum zu poltern.

"It is missed. You are hit by a dagger."

'Hey, Arschloch, was soll denn das, sehe ich aus wie eine Zielscheibe?' Bam Bam schaute an sich runter. Mit seinen himmelblauen Elfenstiefeln und seinem gehäkelten Sabberlatz sah er wirklich peinlich aus, aber das war doch kein Grund, mit Messern nach ihm zu werfen.

"You kill the gecko!"
"The hobbit hits!"
"You kill the hobbit!"

Holzschwert oder nicht, die Figuren fielen oft schon nach dem ersten Schlag um. Bam Bam beschloss, etwas weniger aufzupassen.

"You see here a black gem."
i - a black gem.

Bam Bam liebte diese glänzenden Steine, auch wenn ihm dieser hier mehr vorkam wie eine Glasscherbe.

"A bear trap closes on your foot!"

Bam Bam seufzte. Irgendwie war das nicht sein Tag. Nun war er zum dritten mal in die selbe Bärenfalle gelatscht. Beim ersten mal war sie ja wenigstens noch gut getarnt, aber das begann langsam, peinlich zu werden.

(u)ntrap
"You untrap the bear trap."

'Man muss mir nur oft genug mit em Hammer auf die Fontanelle hauen, dann kapier ich es schon' dachte Bam Bam, als er die Bärenfalle entschärft hatte.

"You miss the green mold."
"You kill the green mold! You are splashed with the green mold's acid!"
"You are beginning to feel hungry."

Bam Bam hatte ein schlechtes Gefühl. Er erinnerte sich an sein früheres Leben als Ritter. Eigentlich glaubte er, sich an unheimlich viele frühere Leben als Ritter zu erinnern. Nur irgendwie konnte er sich an keins seiner früheren Leben erinnern, wo er halbwegs alt geworden war. Aber er konnte sich an frühere Leben erinnern, wo er jämmerlich verhungert war.

"You smite the floating eye!"

Argh !!!! Floating eyes waren so mit das ekelhafteste, was einem begegnen konnte. Sie griffen einen nie an, aber sie waren ständig im Weg, zum Beispiel in
einem schmalen Korridor, natürlich dem einzigen, der aus einem Raum heraus führte. Und sie bewegten sich langsam. Sehr langsam. Ungefähr so langsam wie ein Gletscher. Oder die Kontinentaldrift.

Schlug man allerdings mit einer Waffe nach ihnen konnten sie einen paralysieren. Man war für viele Runden völlig bewegungslos. Bam Bam erinnerte sich, dass er in vielen seiner früheren Leben gestorben war, weil in der Zeit, wo er bewegungslos verharren musste, ein winziges Monster in den Raum gekommen war, um ihm langsam aber sicher die Hitpoints zu rauben, bis er tot war. Diesen Dingern ging man besser aus dem Weg, oder bewarf sie mit Dolchen, Messern, egal womit, Hauptsache es machte aua. Da lagen doch irgendwo dagger rum ? Der blöde Hobbit hatte doch mit welchen geworfen. Bam Bam ging den Weg zurück.

j - two daggers.

Zurück beim floating eye beschloss Bam Bam, dieses mal keinen allzu dämlichen Tod zu sterben. Er erinnerte sich, früher immer 'nur noch ein einziges mal' draufgehauen zu haben, um dann vom lächerlichsten Monster der Welt, einem Newt, gegrillt zu werden.

(t)row 1j
"You hit the floating eye!"
(t)row 1j
"You kill the floating eye!"

Das ging ja einfach. Bam Bam war sich gar nicht bewusst, so gut im Messerwerfen zu sein. Aber wo war die verdammte Treppe nach oben ? Auf Level 1 war zumindest carlito, sein einziger Freund, und notfalls sein Frühstück.

"You kill the giant rat!"

"You are beginning to feel weak."

Jaja, es ging schon wieder los. Zwar konnte (und würde) er als Barbar einiges roh essen, was niemand sonst auch nur anrühren würde, selbst wenn es gebraten wäre, Ratten würde er aber niemals essen. Er fummelte das Pausenbrot aus dem Hosenbund, das Wilma ihm noch mitgegeben hatte. Mahlzeit.

(e)at d
"The food really hit the spot! You finished eating the food ration."

Börps. Wilma war wirklich eine miserable Köchin gewesen. Er war irgendwie froh, dort weg zu sein. Schliesslich war sie auch für die schwulen Elfenstiefel an seinen Füssen verantwortlich. Sie wollte ohnehin immer eine Tochter haben. Vermutlich hätte sie ihm nächste Woche eine Schleife ins Haar gemacht oder seine Zotteln zu einem Zopf geflochten!

"You miss the dwarf zombie. The dwarf zombie hits!"

Er musste wirklich aufhören, zu träumen.

"You destroy the dwarf zombie!"

Im nächsten Raum war endlich die Treppe nach oben. Bam bam rannte nach oben um in einem grossen, leeren Raum zu stehen, der keine Türen zu haben schien, jedenfalls konnte er im Halbdunkel keine sehen. Er tastete an den Wänden herum, bis er unter all den Spinnweben einen niedrigen Durchgang entdeckte.

Tür auf, durchgeschlüpft, ha, was für ein Glück ! Die Treppe zu Level 2 lag nur drei Schritte entfernt ! oben angekommen, war Bam Bam leicht aus der Puste. Jemand müsste etwas erfinden, mit dem man ohne Treppen von einem Stock zum anderen gehen könnte.

- Nächstes Kapitel: Die Suche nach Mr. carlito

Bam Bam The Plunderer - Einleitung

Dies ist die Geschichte eines Nethack-Spiels.

Nethack ist ein Adventure aus der Dungeons & Dragons - Richtung, das heisst, es geht ziemlich magisch zu, und die Monster haben im Wesentlichen seltsame Namen. Sonst ist es so, wie man sich ein Spiel vorstellt, mit Monstern die man umhaut, mit Levels, die man erreicht, mit Dingen die man tut, mit Dingen die man tut und gleich darauf bitter bereut usw. Aber Achtung ! Grafik ? Ist nicht. Lebensechte Darstellung ? Nada. Spritzendes Blut ? Versaut nur den Boden.

Hier heisst das Motto ASCII-Grafik. Spielen in einer Command Shell, unter Windows einer DOS-Box. Alle Buchstaben sind Monster, alle anderen Zeichen stellen Gegenstände oder Gänge und Wände eines Labyrinths mit 50 oder mehr Ebenen dar.

Zum Start wählt man eine Spielfigur aus über zehn verschiedenen Klassen aus, jede mit ihren speziellen Eigenschaften und Vor- und Nachteilen. Dann macht man sich auf den Weg ... um was zu tun ? Damals, irgendwann in den späten 80er Jahren, als ich das erste Mal mit Nethack in Kontakt kam, legte ich es recht schnell zur Seite, weil vermeintlich keine Anleitung dabei war und ich keine Ahnung hatte, was ich denn tun sollte und was das Ziel des Spiels war. Als dann
das Internet kam, und jeder Depp seinen Müll dort abladen konnte, fand ich unter dem vielen Müll irgendwann mal ein paar Seiten, die sich mit Nethack befassten. Ich las was dort stand und wusste, das musste ich nochmal versuchen.

Nun hat Nethack eine ganz bestimmte Eigenart: Du kannst zwar speichern, wo Du gerade bist, und später weiter spielen. Aber wenn Du stirbst, bist Du tot, und
musst wieder von vorne anfangen. Anders gesagt: wenn Du nach Stunden, Tagen oder Wochen vor einem Monster stehst, dass Dich gerade in kleine Streifen schneidet, dann heisst es nicht 'Sicherung laden, irgendwann hau ich das Vieh schon um', sondern Du fängst von vorne an. Ganz von vorne. Und 'Ganz von vorne' hat in Nethack eine spezielle Bedeutung.

Das Labyrinth, in dem man sich bewegt und krampfhaft versucht zu überleben , ist nicht starr. Mit ganz wenigen Ausnahmen wird jeder Level bei jedem Spiel neu generiert, und es hilft einem gar nichts, dass beim letzten Mal die Treppe zur nächsten Ebene oben rechts am Rand der aktuellen Ebene war ... man kann sich fast eher darauf verlassen, dass sie dieses mal ganz woanders sein wird, nur genau dort nicht.

Darüber hinaus ist jeder Gegenstand, den man auf seinem Weg findet oder von einem erledigten Monster erbeutet, erstmal unbekannt. Man weiss nur die Art des Gegenstands, aber nichts genaues. Ein Schwert kann ein magisches Langschwert sein, es kann aber auch ein verrostetes Schwert-chen eines Gnoms sein, das überdies noch verhext wurde und das man nicht mehr loslassen kann, hat man es einmal in die Hand genommen. Und die Flasche mit der blauen Flüssigkeit, die man beim letzten Spiel aus der Hand eines zusammenbrechenden Trolls gezogen hatte und die dafür gesorgt hatte, dass die Lebenspunkte wenigstens zum Teil wiederhergestellt worden waren, verursacht im nächsten Spiel eine Krankheit oder sorgt dafür, dass aus deinem hoffnungsvollen Abenteurer mit einem Haufen toller Waffen und Ausrüstung ein grosser, grauer Pilz wird.

Oftmals kommt man mit Gewalt nicht weiter. Wer zu hastig die Ebenen hinunter steigt, was eine freie Entscheidung ist, dem begegnen immer stärkere Monster, und irgendwann sind sie so stark, dass man sie mit einer unausgerüsteten Anfangsfigur einfach nicht mehr erledigen kann .. oder vielleicht noch das erste, eins von 27 anderen auf der Ebene wird einen aber früher oder später zu feinem Staub zerreiben. Planmässiges Vorgehen macht also einen grossen Teil des Spiels aus.

Ich weiss nicht mehr woher ich den Spruch kenne, aber er charakterisiert Nethack halbwegs gut:
If it moves, blast it.
If it doesn't move, blast it anyway.

Meine Ergänzung wäre:
But think about it first, thinking later may be too difficult, because you are dead.

Wie gesagt, ich hatte in den Jahren immer wieder eine Begegnung mit Nethack. Die 80er waren frustrierend. Ich startete ein Spiel, haute ein paar Monster um, wurde von einem Monster umgehauen, Game over, insert coin to continue ...

Die 90er begannen genau so frustrierend. Ich startete ein Spiel, haute ein paar Monster um, begegnete einem Dwarf, wusste, dass mich Dwarfs schon x mal umgehauen hatten, rannte weg ... um in die Arme irgendeiner anderen abscheulichen Kreatur zu laufen, die mich mit Vergnügen niedermachte.

Immer nach ein paar Dutzend Versuchen legte ich die Diskette (ja, Nethack passt auch heute noch auf eine einzige Diskette!) frustiert für ein oder zwei Jahre beiseite. Viel Zeit kostete das Spiel auch nicht, ich starb ja immer ausreichend schnell, um mich nicht grossartig zu ärgern.

Trotzdem wurde ich im Lauf der Zeit besser. Ich las mehr im Internet, ich las sogar die romanartig verfasste und mitgelieferte Anleitung "Guidebook.txt". Ich
starb nicht mehr immer sofort, trotzdem pflasterten die Überreste vieler getöteter Spielfiguren die Wege der ersten Level. Und ich begann mich zu ärgern. Da hatte ich auf Level drei einen Schlüssel für Türen, eine Lampe und eine Tasche gefunden, darüber hinaus noch einige Teile einer brauchbaren Rüstung, die ich mühsam in einem der seltenen Tempel identifiziert hatte. Und all das nur, um statt wie üblich auf Level fünf oder sechs zu verrecken, es bis Level sieben oder acht zu schaffen, dort irgend etwas unglaublich dämliches zu tun, z.B. in ein Loch mit scharfen Spitzen zu fallen, oder von einem Monster in einen Regenwurm verwandelt zu werden, oder etwas zu essen, das mich vergiftete. Es gibt in Nethack nahezu unendlich viele Möglichkeiten, seine Spielfigur umzubringen.

Somit endeten die 90er genau so frustrierend wie die 80er, nur anders, denn es kamen Ärger und Ehrgeiz hinzu. Bei meiner alljählichen Aufräumaktion im Arbeitszimmer fiel mir jedes mal wieder die Nethack-Diskette in die Hände, und ich denke, jedes zweite Jahr schob ich sie ins Laufwerk, das Arbeitszimmer
blieb unaufgeräumt, und machte erneut ein paar Dutzend Versuche ganz nach dem Motto, wenn's dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis. So begann ich auch das neue Jahrtausend mit einigen mehr oder weniger blödsinnigen und unnötigen Toden, allerdings schon hin und wieder in den 20er Leveln. Das klang einerseits vielversprechend, andererseits fürchtete ich schon damals, irgendwann von der allgegenwärtigen Dummstrahlung derart verblödet worden zu sein, dass ich die Diskette nicht mal mehr richtig herum ins Laufwerk würde schieben können oder beim Steuern der Spielfigur mit der Zehnertastatur einen akuten Gichtanfall zu bekommen, weil ich mittlerweile 97 Jahre alt wäre und immer noch auf Level 35 rumgurkte.

Und dann kam natürlich noch was anderes dazu. Aus den vielen Klassen von Spielfiguren wählte ich natürlich, ganz Held, ganz Depp, die 'ritterlichste' aus, den Ritter (Knight). Und der verreckt nicht nur wegen meiner Blödheit so gerne, sondern auch, weil er in jedem zweiten Versuch schlicht verhungert. Der Knight kann nämlich längst nicht jedes geschlachtete Monster in sich hinein stopfen um satt zu werden. Er vergiftet sich gerne dabei. Hab ich nach knapp 20 Jahren dann auch gelernt, allerdings erst, nachdem ich mit einem Ritter endlich mal das ganze Spiel geschafft hatte. Das war irgendwann 2006. Und auch das Spiel war nicht perfekt, ich war nämlich einmal auf meinem Weg gestorben und nur ein "Amulet of Live Saving" hatte mich gerettet.

Nun kam der Ehrgeiz ins Spiel. Es musste für mich doch möglich sein, bevor ich in die Kiste steige, dieses verdammte Spiel einmal zu gewinnen, so, wie es die Götter vorgesehen haben !

Dank des Internets sollte das doch möglich sein. Zwar ist der Müllhaufen dort noch viel grösser als damals Anfang der 90er, aber dafür gibt es eine Schaufel zum graben, und die heisst google.

Dort fand ich alles, was ich wissen muss. Ich denke ich habe schon viele Nächte damit zugebracht, Seiten zu lesen und Newsgroups zu fleddern, um schlauer zu
werden. Und noch immer finde ich recht schnell Dinge, die ich nie gehört hatte ... Nethack ist ein unglaublich komplexes Spiel, fast jede denkbare (und viele
undenkbare) Eventualitäten sind dort berücksichtigt.

Ich werde parallel zum Spiel versuchen, das Wichtigste aufzuschreiben, denn es passiert so viel, dass man sich nachher unmöglich dran erinnern kann. Und nach
jeder Session will ich ein Kapitel veröffentlichen.

Na gut. Beginnen wir die Reise. Und schauen wir, wie lang sie diesmal wird.

Freitag, 7. August 2009

castagir deckt auf

Gewinnspielbeschiss extrem

Früher, damals, also bis vor ein paar Wochen, wurde jede Fernsehsendung unterbrochen von einer Frage mit zwei möglichen Antworten.

Was hängt im Badezimmer:
A) Bademantel
B) Atomkraftwerk
Rufen Sie 0190-Blabla an. Ein Anruf kostet Sie weniger als eine Fantastilliarde Euro. Mobilfunkgebühren mglw. abweichend.

So blöd, so gut.


Und heute ? Zumindest KabelEins hat auf die Wirtschaftskrise reagiert. Sie haben sogar die Azubis, die sonst die Einblendungstexte verfassen, auf die Strasse gesetzt und stattdessen zwei Schimpansen engagiert, die im Schichtbetrieb arbeiten. Grad eben:

Wer wohnt beim King of Queens im Keller:
A) Dougs Schweigervater
B) Schneewittchen
Rufen Sie 0190-Blabla an. Ein Anruf kostet Sie weniger als eine Fantastilliarde Euro. Mobilfunkgebühren mglw. abweichend.

Schimpansen sehen wenig fern. Daran wird's liegen dass sie nicht wissen, dass Arthur so gut wie nie schweigt.

Die richtige Antowrt ist Y. Aber die Telefonnummer dafür ist nicht angegeben. Was tun ? Abmahnen ? Verklagen ? Verbraucherministerium informieren ? Mal schauen was der Internetausdrucker Sigmar Gabriel dazu sagt.

Mist, keine Durchwahl angegeben. Nur der Schimpanse vom Empfang am Rohr. Naja, Freitag 15:30, da machen die eh alle schon seit zwei Stunden ne grosse Vaselineraupe durchs Foyer.

Mittwoch, 5. August 2009

Hamsterrad

Für die alten Knochen, die noch Ihr Tagwerk teilweise in lustigen Dialekten wie VB6 verrichten müssen, und sich dauernd ärgern, dass das liebgewonnene Mausrad im Codeview nicht funktioniert, hier ein Werkzeugerl von MSFT:

http://support.microsoft.com/kb/837910

ist ein hundsnormales AddIn, kopieren, regsvr32, VB->Addins -> VBMousewheeladdin -> beim Start laden.

Klappt auch in älteren VBA-Dialekten.

Und weil spätestens in zwei Jahren Microsoft wieder mal auf die glorreiche Idee kommen wird, das komplette Portal zu vermurksen und alle links folglich im Nirvana enden, hab ich haufenweise Sicherungen dafür. Ich sollte vorbeugend gleich nen torrent draus machen und ihn ins Netz stellen ...

Mittwoch, 10. Juni 2009

Mathematik in der Kaffeestufe

Der Lehrplan an deutschen Gymnasien und Baumschulen hat stillschweigend eine Reform erfahren. Keiner hat's gewußt, jeder hat's gewollt, damit unsere Rentenzahler nicht gar so dämlich in die freie Wildbahn entlassen werden.

Wir kennen schon folgende Lehrplanbestandteile:

- Unterstufe: Pokemon-Schadenspunkte zählen

Dient dem Zweck, die Grundrechenarten wenigstens ansatzweise in die Köpfe zu bekommen.

- Mittelstufe: Moped-Ritzel-Übersetzungen bestimmen

Dient dem Zweck, das Prinzip von Ursache und Wirkung zu demonstrieren. Baue ich ein kleineres Ritzel ans Hinterrad, fährt die Möhre schneller. Baue ich ein zu kleines Ritzel ans Hinterrad, legen die Bullen den Hobel still und die Versicherung schreibt hässliche Briefe.

- Oberstufe: Differential- und Integralrechnung

Whaaaat ? Wer braucht das ? Die meisten Kandidaten haben doch nicht mal die Bruchrechnung verstanden.

Und hier setzt die Lehrplanreform ein.

- Oberstufe: Kaffee mit Süssstoff trinken.

Klingt erstmal seltsam, macht aber Sinn. Man schickt die Schwammköpfe in einen handelsüblichen Discounter, um eine Dose Süssstofftabletten zu beschaffen.

Anschließend verdonnert man sie dazu, morgens ein, zwei, drei bis achtzehn Tassen Kaffee zu trinken. Mit Süssstoff natürlich. Dies verfolgt nicht nur den Zweck, dass sie in der Schule zur Abwechslung mal wach sind, auch werden weniger von ihnen auf dem Weg dorthin von Dampfwalzen überfahren, die plötzlich um die Ecke kommen.

Und nun kommt das Lernziel:

Nachdem die Discounter-Süsstoffspender allesamt dermassen beschissen konstruiert sind, kriegt man nie und nimmer ganze Tablettchen raus. Man bekommt ne halbe und ein wenig Staub. Oder man bekommt drei Brösel und gar nix, und im nächsten Versuch die restlichen Brösel, was in Summe näherungsweise einem Tablettchen entspricht, abgesehen von den Spreisseln, die es quer durch die Küche geschossen hat.

Lernzielkontrolle:

- Zähle auf, wieviele mal Du drücken musstest, um in Summe drei Süssstofftablettchen aus dem beschissenen Dosierspender zu locken.
- Bilde den kleinsten gemeinsamen Teiler. Ist er größer als ein halbes Tablettchen, gehe zurück in den Discounter und kaufe einen anderen Spender. Du hast entweder betrogen indem Du einen Markenspender verwendet hast, oder unverschämtes Glück gehabt.

Sonntag, 24. Mai 2009

Zu viele Chinesen ?

In China hat ein Chinese einen anderen Chinesen von der Brücke geschubst. Klingt erstmal ... naja, sagen wir ... unfreundlich.

Was macht die BLÖD draus ?
"Unglaublich, wie Lai Jiansheng seine Tat begründete: „Ich habe ihn gestoßen, weil Leute wie Chen sehr egoistisch sind." Nimmt einen jetzt auch noch nicht unbedingt sofort für den Schubser ein.

Bis man guckt, wo man da grade liest, ach je, BLÖD, na gut, schau mer mal nach den Fakten. Wo anders. Brigitte, Omas Backbuch, Zewa-Rolle, egal, alles besser.

Der zuständige Redakteur (was ist eigentlich eine vernünftige Herabwertungsform für Redakteur ? Niemand will schließlich einen ganzen Berufsstand verunglimpfen) hat scheinbar noch nie den mörderischen Verkehr in Guangzhou erlebt. Und niemals ein wild hupendes Blutdruckmessgerät gehört, weil irgendein Idiot mit Selbstmordabsicht sich dafür ausgerechnet eine der belebtesten Ecken der Welt aussucht, statt sich bequem auf seiner Reismatte sitzend einen Satz Essstäbchen quer durch die Schläfen zu treiben. Und daß das Thema ja nicht nach fünf Minuten gegessen ist, sondern man stundenlang wartet, weil der Idiot sich natürlich nicht unten entscheiden kann "yep, ich mach das jetzt", rauf und hopp, sondern natürlich erst oben ein paar Stunden drüber nachdenkt, wann denn die Kampfrichter kommen und ob er lieber mit einem Auerbach-Salto oder einer dreieinhalbfachen Schraube abgehen soll. Hinweis: Sowas will vorbereitet sein ! Deutlicher: Das kann man alles unten machen ! Ganz deutlich: Du Idiot !

Und dem Redakteur (tut mir leid, mir fällt einfach nix besseres ein) fehlt jede Vorstellung davon was in einem wohl vorgeht, wenn Du das zum zwölften Mal im selben Jahr auf der selben Brücke erlebst. Das hatte die BLÖD natürlich wieder mal verschwiegen, kann man aber nachlesen bei United Press.

Denn dann hätte er geschrieben:
"Erstaunlitsch, daß er dem Vollpfosten erst nach ein paar Stunden die acht Meter runter geholfen hat und nicht erst gewartet, bis die Feuerwehr das Rettungskissen halb aufgeblasen hatte." Das wäre auch auflagensteigernd gewesen, denn wenn schon Meinung statt Fakten, dann doch wenigstens gscheite Polemik.

Gut, abgesehen davon stellt sich mir natürlich schon die Frage, womit oder von wem die Chinesen ihre Rettungskissen aufblasen lassen, wenn das _Stunden_ dauert. Sowohl Fahrradpumpen als auch Chinesinnen sind halt doch eher für ihre Zierlichkeit bekannt als für ihr umfangreiches Volumen.
logo

a life less ordinary ?

.


counter

Bam Bam The Plunderer
Everyday
Geek-Content
Reality bites
Shortstop
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren