Die Wendeltreppe vom Arbeits- ins Wohnzimmer ist gefährlich. Sie ist schon ohne alles gefährlich, denn sie ist aus sehr glattem Holz. Und ich trage zuhause weder Turnschuhe noch Börksenstocksandalen, sondern Socken. Und sie ist steil. Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Das eigentliche Problem ist ihre zentrale Lage. Genau zwischen Wohn- und Schlafzimmer (und somit Bad 1) platziert, ist sie das geilste Regal, das man so haben kann. Nichts ist zu hoch für einen Fachboden, der nächste ist ja erst eine Stufe weiter hinten.
Also findet sich dort regelmässig ein Fundus von ... Dingen.
Da sind all die Sachen die hoch ins Arbeitszimmer müssen, Papiere, Elektrozeug. Eigentlich heisst es nur offiziell Arbeitszimmer, in Wahrheit ist es meine begehbare Rumpelkammer, der Schreibtisch steht schon immer im Wohnzimmer.
Dann sind da all die vollen Flaschen, die ins Bad müssen, und all die leeren Flaschen, die von dort in die Küche müssen.
Nicht zu vergessen die Zeitschriften, die man ja unbedingt mal aufheben muss um sie irgendwann in Ruhe zu lesen oder sie irgendwann fluchend zentnerweise in die Papiertonne zu donnern.
Kurz gesagt, die Treppe ist voll, aber es gibt einen begehbaren Pfad, wenn man zwei, drei Stufen auslässt und einen schmalen Fuss hat. Heute hab ich das wieder versucht. Irgendwann gegen nachmittag. Eigentlich hab ich im Friedhof des Computerzubehörs nur nach einem passenden Kabel gesucht. Nun ja, irgendwie ist es dann mit mir durchgegangen und ich habe aufgeräumt. Oder besser, ausgemistet.
Stunden später lag oben an der Treppe ein kunstvoller, hochgradig einsturzgefährdeter Turm obiger Zeitschriften, die ich ja unbedingt ja noch mal in Ruhe lesen wollte. Im nächsten Leben, oder im übernächsten.
Nun bin ich ja von natur aus faul. Ich gehe erst dann zwei mal, wenn ich das ganze Graffl nicht mehr auf einmal tragen kann. Also in die Hocke, den Turm vorsichtig aufgehoben und ab ging die wilde Fahrt. Blind. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt.
Wo ist die erste Stufe, hoppala, ach hier schon. Ganz langsam ging es bergab. Auf jeder Stufe tastete ein besockter Zeh ganz sachte nach aufkommenden Hindernissen. Ungefähr so wie am 18 Grad kalten swimming pool, nachdem man drei Stunden bei 40 Grad im Liegestuhl vor sich hin gegrillt hat.
Die Shampooflaschen ? Check, gefunden. Wo liegt nochmal die Mehrfachsteckdose, die ich gestern übrig behalten habe ? Aua, ja, genau hier ist sie. Die Konstruktion auf meinen Händen begann bedenklich zu wackeln, hielt aber stand. Da war noch was, nur was ? Irgendwas hatte ich heut nacht noch auf der Treppe abgelegt. Weiteres Tasten, nichts, eine Stufe weiter.
Eine Sekunde später fand ich mich am Ende der Treppe, die Beine Goofy-mässig um mich geschlungen. Der ganze Stapel Altpapier war nur noch 1cm hoch, aber dafür ungefähr 5 Quadratmeter breit. Und ich sass mittendrin. Auf meinem Bauch lag Ken Follett.
Niedergestreckt von den "Pfeilern der Macht". Ich hasse gebundene Ausgaben. Nicht nur, weil sie mir in der Badewanne immer zu schwer werden und diese dämlichen Lesezeichenbändel immer ins Wasser rein hängen und sich vollsaugen. Seit heute hasse ich sie auch deshalb, weil sie abgelegt auf einer Treppenstufe sich beim Ertasten mit dem Zeh genauso anfühlen wie eine ganz normale Treppenstufe.
Das Kabel habe ich dann nicht mehr weiter gesucht. Ich geh morgen und kauf ein neues. Ist viel ungefährlicher.
castagir - 17. Feb, 21:57
Seit ich Rechner vor mir habe, begleitet mich eine Naturkonstante: Festplatten sind ein Jahr nach der Anschaffung zu klein.
Früher, damals, also vor laaanger Zeit, da bin ich in so einem Fall hergegangen und habe mühevoll Nützliches von mittlerweile Überflüssigem getrennt, und die Schmerzen damit ein wenig herausgezögert.
Wenn die Platzangst dann übermächtig wurde, habe ich stundenlang den Festplattentest der c't auswendig gelernt und bin um das Regal meines bevorzugten Schraubers solange rumgeschlichen, bis ich etwas budgettaugliches gefunden hatte, was dauern konnte.
Daheim mit dem teuer erworbenen Schatz verschwand ich unter dem Schreibtisch, um ihn am offenen Herzen des Rechners anzuschliessen.
Formatieren, Pinkeln gehen, fertig. Daten aufspielen, halb voll das Ding. Dauerte vom Bedarf bis zur Erfüllung einen Tag.
Und heute ? Heute fahre ich zum Schrauber, frage ihn nach der Kapazität der grössten Platte die er auf Lager hat, nach dem Preis, und nehme zwei davon.
Fahre heim, verschwinde unter dem Schreibtisch, um den neu erworbenen Schatz am -wesentlich kleineren, denn Big-Towers sind out- Herzen anzuschliessen.
Formatieren, Pinkeln gehen. Kaffee trinken. Waschmaschine einräumen, Spülmaschine einräumen, alte Klamotten eintüten, Tanken fahren, Kleingeldautistin an der Kasse lässig ignorieren, heimkommen, nachschauen. 47%, Waschmaschine in den Trockner räumen, getrocknete Klamotten aufhängen, Brunch auf dem Schreibtisch veranstalten, anschliessend tierische Sauerei beseitigen, fertig. Daten aufspielen, einkaufen fahren, Klamotten in den Altkleidercontainer donnern, Heimkommen, Rotwein aufmachen, Snooker schauen, pinkeln gehen, Remo schauen, zum zwanzigsten Mal, Jubiläum feiern.
Dauert vom Bedarf bis zur Erfüllung einen Tag. Manche Dinge ändern sich nie. Und Geld kauft nicht immer Zeit.
castagir - 17. Feb, 03:00
Es ist abend. Du hast mit ihr gerade ein köstliches Essen in aufgeräumter Umgebung genossen. In ihrer Wohnung! Drei Jahre hast Du dafür gebraucht. Das Licht ist ein bisschen zu hell. Ihr sitzt Euch am Tisch gegenüber. Sie schaut Dich an mit diesem Blick, der Deine Unterhose automatisch drei Nummern kleiner werden lässt. Auf Ihrer Stirn steht mit Leuchtschrift geschrieben: "Nimm mich !"
Und das ganze ohne dass Du sie besoffen gemacht hast, denn die Weingläser hat sie vergessen. Du beginnst in Gedanken Deine Hose aufzuknöpfen und ihre Bluse zu öffnen. Während Du noch überlegst, ob ihr BH den Verschluss vorne oder hinten haben wird, oder ob sie am Ende vielleicht gar keinen trägt, wirfst Du einen Blick über den Tisch.
Und entdeckst die gläserne Bratenform. Mit total eingebranntem Fett.
Und Du stehst auf, trägst sie zur Spülmaschine. Also die Bratenform.
Sagenhafte 10 Sekunden später ist sie fertig. Also die Maschine.
Du ziehst sie raus. Die Bratenform. Drehst sie um. Die Bratenform. Und strahlst.
Plötzlich fällt Dir ein dass Du eigentlich ja vögeln wolltest. Und Du fragst sie nach einem Nachtisch. Also die Frau. Daraufhin zieht sie sich nicht aus, sondern zwei gefüllte Rotweingläser aus dem Küchenschrank.
Nach Deiner Vorstellung grade eben wird sie aber sicher mehr als zwei Glas Rotwein brauchen, bis wieder das "Nimm mich!" auf ihrer Stirn leuchtet. Vermutlich wird sie soviel davon brauchen, dass sie bewusstlos wird.
Ein böser Traum ? Nein, das ist Dein zweites Date mit der
Calgonit-Schlampe. Genau, das ist die, die früher immer mit übergeschlagenen Beinen und Schmollmund auf ihrer Spülmaschine gesessen und ihre hässlichen Gläser bestaunt hat.
Dass wir trotz soviel Dummheit noch nicht ausgestorben sind, grenzt an ein Wunder.
castagir - 15. Feb, 21:47
Im Rewe läufst Du in Richtung eines Arbeiterdenkmals, das auf seinen Wischmob gestützt unbeweglich über die Anordnung der drei oder vier Tüten Bionudeln im Regal gegenüber sinniert. Ab einer Entfernung von drei Metern schlägt der Annäherungsalarm an.
"Hier ist frisch gewischt !!" knurrt es Dir entgegen.
"Oh schön! Soll ich die Schuhe ausziehen oder mit dem Essen bis morgen warten ?"
An ihm vorbeigeschlüpft nimmt das Arbeiterdenkmal sofort seine vorherige Starre wieder ein.
"Fröhlichen Fasching !" flötet Dir die Kassiererin entgegen, schaut Dich anschliessend an und murmelt "Naja, Sie sehen nicht so aus als hätten Sie damit viel am Hut. Schönen Abend !".
"Äh ja, danke, Ihnen auch." *Sie mich auch, danke fürs Gespräch.*
Im nächsten Laden wieder ein Arbeiterdenkmal. Mit Besen. Ich glaub beim Lidl wird nur selten gewischt.
Vier Kassen, eine offen, keine Schlange, keine Kleingeldautistin vor Dir, strike, Punkt für mich ! Hin da, den Plunder aufs Band geknallt, wo zum Teufel bleibt das Arbeiterdenkmal ? Punkt für die anderen.
"Halloooho ?" flöte ich ungehemmt in Richtung des Besens, ist ja ausser mir keiner da. Ausser der Kleingeldautistin, aber die steht noch beim Bioregal, harrharr.
"Komme sofort !" flötet es zurück.
Das Arbeiterdenkmal kommt tatsächlich. Gut, in der Zeit hätte selbst eine blinde 93-jährige Oma mit Alzheimer und Parkinson 4,93 Euro aus ihrer Geldbörse auf den Tresen gezählt, sich dabei vier mal vertun und schlussendlich das Fräulein bitten können, doch mal nachzuschauen, weil die Münzen so klein sind.
"Wenig los hier heute, was ?"
"Es ist Faschingsdienstag !" knurrt es zurück.
"Achso. Schönen Abend." *Ja, böse Welt. Ich hab heut auch zwölf Stunden gearbeitet.*
Kein Schwein im Supermarkt und mufflige Angestellte. Hach, warum kann nicht jeden Tag Faschingsdienstag sein.
BrandEins beklagt die schleichende Unterwanderung des deutschen Sprachschatzes. Interessanterweise am Beispiel der Finanzbranche. Den Dax als Bluechipindex zu bezeichnen ist böse, und ARD und ZDF sind böse, weil sie nicht jedesmal, wenn sie DAX sagen, für Hein Blöd und die Friseuse von Gegenüber den Halbsatz "Index der 30 führenden deutschen Aktien" anhängen.
Es ist nicht besonders tief durchdacht, Anglizismen in der deutschen Börsensprache zu beklagen, ist doch die Finanzbranche wie wenige andere angloamerikanisch dominiert, und ihre Sprache folgerichtig englisch.
Es besteht nicht nur kein Zwang, jeden Begriff aus dem Englischen ins Deutsche zu transformieren, aufgrund der Unzulänglichkeiten unserer Sprache ist es sogar häufig kontraproduktiv.
Man mag in deutsch dichten können wie in keiner anderen Sprache. Sich aber in deutsch kurz und prägnant auszudrücken ohne den Gegenüber zu beleidigen oder als Volldeppen hinzustellen ist unnötig schwer.
Der Autor mag zum Spass gerne einmal versuchen, seinen Artikel sinngleich einzudeutschen. Ich empfehle zur Veröffentlichung allerdings eine Wochenzeitschrift, denn die zu erwartende Langatmigkeit einer solchen Übersetzung deutet stark auf ein mehrteiliges Werk hin.
Zweifellos gibt es einige Leser die der Überzeugung sind es wäre besser,
5 Kontrakte im unbedingten Termingeschäft mit dem Zielmonat Juni 2008 auf den Index der 30 führenden deutschen Aktien leerverkauft zu haben.
Die Mehrheit hingegen ist lieber
5 FDAX Juni short.
Und das zurecht. Denn nicht nur, dass Letztere von ihren Handelspartnern mit erstaunlicher Sicherheit verstanden werden, aufgrund der reinen Zeitersparnis haben sie auch die Möglichkeit, eventuelle Gewinne noch vor der Rente zu geniessen.
Im Alter können wir dann sicher trotz allem noch das Wort Sparbrief über den Tresen der Sparkassenfiliale hauchen in der Hoffnung, das Bübchen im Alter unserer Enkel gegenüber wird einen blassen Schimmer davon haben, was wir meinen könnten.
Alles in allem erinnert das doch stark an den Bildschirmpositionsanzeiger, den letzten bemerkenswerten Versuch, ein böses englisches Wort einzudeutschen. Welches ? Cursor. Ist doch naheliegend.
Buchhaltung Ende Januar ist Schei**e.
Du brauchst nen neuen Ordner. Die sind seit Jahrhunderten schon blau. Aber du hast keinen blauen Ordner mehr. Draussen scheint die Sonne.
Du hast einen Berg von Rechnungen, die 2007 gestellt und 2008 gezahlt wurden.
Du weisst, dieses Jahr ist alles anders. Nicht mehr Belege buchen und abheften. Nein, denn 2008 liegt deutlich im dritten Jahrtausend.
Also installierst Du die Datev-Software. Kämpfst mit der Logik von Programmierern, die im Innersten ihres Herzens eigentlich Erbsenzähler, und darum Steuerberater geworden sind.
Danach kämpfst Du mit Deinem Scanner. Kann mir mal jemand erklären, wieso bei einem Gerät für 200 Euro vier verschiedene Programme mit geliefert werden ? Ich will verflucht noch mal eine Vorlage aufs Glas legen, scannen, und als JPG abspeichern. Und zwar so, dass die Maus, die den Kram dann liest, keinen Augenkrebs bekommt, und auch keinen Bandscheibenvorfall, weil der Kram mal wieder um 180 Grad gedreht ist.
Anschliessend beginnt der Krieg. Du und der Scanner gegen den Tankbeleg. Und Du lernst, es ist keine wirklich gute Idee, Tankbelege wüst gefaltet zwei Wochen im Portemonnaie mit Dir rumzutragen. Die Boshaftigkeit dieser Papierschnipsel kennt nämlich keine Grenzen. Wenn sie nicht bretteben sind, verwuschteln sie sich unter der Abdeckung nach Belieben.
Blöder Nebeneffekt: Als Geek von heute erhälst Du ja einen Teil deiner Rechnungen online. Und hast sie bislang irgendwann am Ende des Jahres mal ausgedruckt, damit sie im Ordner hängen. Beim monatlichen Buchen reichten ja die Beträge. Ab heute druckst du Geek diese Rechnungen monatlich aus, um sie anschliessend einzuscannen... hmm.
Anschliessend sitzt Du auf einem Berg von 120 MB gescannter Belege, die Du dann den Erbsenzählern vorwirfst.
Also modern ist die Sache.