Samstag, 4. September 2010

...

Der Kühlschrank gähnt zurück, als ich ihn öffne. Milchkaffee ohne Milch schmeckt irgendwie anders.

Also auf in die Hausfrauenrally. Kurzer Uhrencheck, yepp, Mittagszeit, die Rentner haben also noch Freigang, und den Kindsmüttern fällt auf dem Rückweg vom Gesprächskreis ein, dass sie noch Dinkelschrot brauchen.

Nepomuk, der (natürlich dreckigweiße) Kater der Nachbarn, der immer auf meinem Cabrioverdeck gepennt und es eingesaut hatte, stiefelt langsam von meinem Blechverdeck runter und schaut mich vorwurfvoll an. Musst Du schon wieder wegfahren und mich aufwecken ? scheint sein Blick zu sagen.

Das nächste Auto hat wieder ein Stoffverdeck, ich halte diese dauernden Vorwürfe einfach nicht aus.

Zu Fuß gegangen. Auf dem Weg überlegt, wie alt Katzen so im Schnitt werden.

Gemüseschneider revisited

Der capt'n wurde mal wieder von Anton, dem Paketboten geweckt, mittags um halb drei, während er seinem wohlverdienten Mittagsschlaf frönte und das Sofakissen vollsabberte.

Anton hatte den Gemüseschneiderersatz gebracht.

Der capt'n war schlagartig nur noch im Halbschlaf und bereitete sich auf einen chirurgischen Eingriff vor.

Während der rituellen Waschungen rief er sich kurz das Verfahren ins Gedächtnis, Strom aus, Gehäuse auf, Karte raus, Karte rein, Gehäuse nicht zuschrauben weil beim ersten Test garantiert etwas nicht funktioniert.

Die Hände in Kopfhöhe haltend kniete er sich unter den Schreibtisch und studierte das Ersatzgehäuse, das ihm sein Dealer vor einer Woche unter den Tisch gestellt hatte, damit der Schreihals zumindest halbwegs leise blieb.

"Schöner Arsch, aber lass den Doktor erstmal den bösen Blinddarm entfernen" kommentierte er fachmännisch beim Anblick des Hochglanz-Lavierlacks, auf dem höchstens ein Millimeter Staub lag.

"Schraubenzieher" rief er nach rechts und streckte die Hand aus. "Schrau-ben-zie-her !!" brüllte er, und schnippte mit den Fingern. Der Papierkorb neben ihn sah ihn verständnislos an.

Hin und her gerissen zwischen der Unverschämtheit seines Gehilfen und der Möglichkeit, dass dessen Weigerung einen versteckten Hinweis enthalten könnte, überprüfte der capt'n das Gehäuse erneut. Hmmm. Keine Schrauben sichtbar, nur hier und da einige Fugen im Gehäuse die darauf hinwiesen, dass es sich hierbei wohl ähnlich zu diesen pädagogisch wertvollen Holzspielzeugen um ein 3D-Tangram handelte, wo man aus 20 wild geformten Teilen ohne Anleitung einen Ball oder einen Würfel bauen musste.

Versuchsweise drückte er eine Abdeckung zur Seite, zog hier und dort, keine Reaktion, der Patient war verstopft und überhaupt nicht kooperativ.

Die Worte "Brecheisen, Flex, Presslufthammer" kamen ihm in den Sinn, doch dann erinnerte er sich an seinen elektronischen Eid, der besagte, dem Patienten mit möglichst wenig Schmerzen zu helfen. Möglichst wenig Schmerzen war hier gleichzusetzen mit einem Stemmeisen aus dem Holzschnitzerwerkzeug.

Zwei verstörende Knirschgeräusche später war die linke Seitenwand entfernt und der capt'n besah sich den Rest des Mechanismus, der vermutlich zu einer zerstörungsfreien Öffnung geführt hätte. Er hätte eigentlich nur die Seitenwand erst reindrücken und dann in eine ihm unbekannte Richtung schieben müssen, während er mit der anderen Hand das Gehäuse am Umfallen hindert. Seine letzte von der Elektronikindustrie gesponsorte Weiterbildung auf den Fisdschis lag eindeutig zu lange zurück.

Alte Karte raus, das war früher mal einfach. Man schraubte eine Schraube weg, welche die Karte an der Rückwand fixierte, zog die Karte raus, und alles war gut und gottgefällig.

Die Sache hier lag anders. Der capt'n ignorierte den immer noch starr dreinblickenden Gehilfen und setzte sich seine Lupe mit eingebauter Taschenlampe auf. Die Schraube war da, gut. Sie war hinter einer seltsam geformten Schraubenabdeckung verborgen, die sich ebenso allen herkömmlichen Mechanismen entzog, einfach weggeschoben, umgeklappt, aus dem Weg gezogen zu werden, schlecht. Ein weit weniger verstörendes *knack* des kleinen Stemmmeisens später verschwand sie klappernd im unteren Teil des Gehäuses.

Der Rest wäre einfach gewesen, wäre sein Dealer nicht ein notorischer Steckerfestschrauber, dem zudem eine Lastwagenladung an Kabelbindern in die Werkstatt gekippt worden wäre.

Denn nicht nur, dass beide Monitore wie verschweisst mit der Karte waren und er beim Aufschrauben der Verbindungen die Staubschicht auf dem Gehäuse mit Schweisstropfen verzierte, der alte Gemüseschneider hatte zu allem Überfluss eine eigene Stromversorgung, vermutlich um mehr Lärm machen zu können. Dessen Kabel - sauberst aufgeräumt - in einem Strang anderer, völlig unbekannter Kabel, alle fünf Zentimeter mit einem Kabelbinder zusammengebunden war.

Der capt'n nahm den kleinen Seitenschneider, streckte geschlechtertypisch bei schwierigen Operationen die Zungenspitze heraus, und versuchte, beim Durchclipsen der Kabelbinder möglichst wenig andere Peripherie nachhaltig ausser Betrieb zu setzen.

Kurz darauf war es vollbracht. Der Patient hatte einen neuen, völlig geräuschlosen Blinddarm. Als er im Aufwachraum der Post-OP erwachte, machte der capt'n sich kurzzeitig Sorgen, weil der Patient so vollkommen stumm war - bis ihm einfiel, das dieser Effekt bei einer Blinddarmoperation vollkommen normal ist.

Notiz: Dealer anrufen, der Gehäuseschaden muss irgendwie ein Garantiefall sein.

Notiz: Anton, den Gemüsehändler mit angeschlossenem Reisebüro aufsuchen, er soll eine einwöchentliche Weiterbildung, bevorzugt in Strandnähe, raussuchen.

Donnerstag, 2. September 2010

Brave new world

Ich kann den Finger nicht drauf legen, aber ich finde, irgendetwas läuft hierzulande furchtbar schief.
  • Einer Kassierin wurde nach 31 Dienstjahren gekündigt, weil sie Pfandbelege für 1,30 Euro für sich eingelöst hatte. Das Urteil wurde - rund zwei Jahre später - vom Bundesarbeitsgerichtkassiert.
  • Ein Computerfachman lädt seinen Elektroroller im Büro auf und wird wegen Stromkosten von 1,8 cent nach 19 Dienstjahren gekündigt. Das Urteil wurde vom Landesarbeitsgericht kassiert.
Eine Firma ist sicher kein Selbstbedienungladen, und es muss Grenzen dafür geben, was Mitarbeiter auf Kosten der Firma tun dürfen, sonst bordet das über, und man kann gar nicht soviel Büromaterial bestellen, wie rausgeschleppt wird. Sehe ich alles ein.

Aber trotzdem erscheint es mir furchtbar, wenn vergleichsweise banale Vergehen (sind 1,8 cent rechtlich ein Vergehen ? Wenn ja, liegt hier schon das erste Problem) zum Anlass genommen werden, Mitarbeiter loszuwerden.

Ich dachte immer, trotz allem was vermurkst wird, wären wir hierzulande noch vergleichsweise gut dran. Lebe ich gar in einer Parallelwelt ? Vielleicht, aber in allen Firmen mit denen ich zu tun habe wäre es
  • dem Chef peinlich, einem Mitarbeiter wegen einer handvoll Kopien, einer Briefmarke oder vergleichbaren Sachen zu kündigen, es sei denn er ist ein Wiederholungstäter oder renitenter Querulant, der danach schreit
  • den Mitarbeitern ebenso peinlich, etwas von Wert zu stehlen (nein, 1,8 cent sind KEIN Wert!) oder auf Kosten der Firma zu tun, abgesehen von den wirklich moralfreien Exemplaren, die es natürlich gibt
Dort nimmt der Chef den Mitarbeiter ggf. auf die Seite und macht eine Ansage. Wenn die nicht fruchtet, gibt es eine Abmahnung, und wenn das nicht reicht, wird man sich früher oder später trennen. So geht man dort miteinander um. Ich dachte immer ich hätte in den vielen Jahren einen repräsentativen Querschnitt von Firmen erlebt und es wäre überall so, aber mir kommen Zweifel wie weit es damit her ist, denn die Ausnahmen werden offenbar mehr.

Ich versuche mir die Firma, in der Dinge wie oben beschrieben passieren, mir das Arbeitsklima dort vorzustellen, und schaffe es nicht. Ich versuche mir vorzustellen, was für ein halbes Leben die beiden Beispiele in ihren jeweiligen Firmen verbracht haben müssen, und schaffe es genausowenig. 19 Jahre, 31 Jahre, sich die zeitspannen vorzustellen fällt gar nicht leicht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas in einem nach meinem Empfinden "gesunden" Unternehmen aus heiterem Himmel passiert.

Ich versuche mir das Innenleben eines solchen Chefs vorzustellen, seine innere Grösse genauso wie die Grösse seiner Magengeschwüre, ich frage mich, was in seinem Kopf vorgeht, so zu reagieren. Stressbedingte Kurzschlussreaktionen kennt sicher jeder, aber auf einer Kündigung wegen 1,8 cent oder 1,30 Euro zu bestehen und sie vor Gericht durchfechten zu wollen ist keine spontane Überreaktion mehr, sondern vorsätzliches Handeln aus einer inneren Überzeugung heraus, die mich fassungs- und verständnislos zurück lässt.

Ich frage mich aber auch, was in den Köpfen solcher Mitarbeiter vorgeht. Es mag für eine Kassiererin mittleren Alters sehr schwierig sein, einen anderen Job zu finden, aber nicht unmöglich, das weiss ich. Aber ein Computerfachmann ? In einer Branche wo jeder, der seinen Namen unfallfrei buchstabieren kann, seit 20 Jahren kein wirkliches Problem hatte, irgendeinen Job zu finden ? Ist das Hinnehmen solcher Arbeitsbedingungen vergleichbar mit dem Reflex der Hinnahme einer miserablen Ehe, nach dem Motto "kann man halt nichts machen", obwohl man hier wie dort durchaus könnte und gekonnt hätte ? Die innere Einstellung dieser Menschen interessiert mich brennend, auch wenn ich vermutlich geschockt wäre sobald ich sie erführe.

Und nicht zuletzt frage ich mich schon lange, warum sich obere Instanzen unserer Gerichtsbarkeit mit so einem Mist befassen müssen. Landesarbeitsgericht, Bundesarbeitsgericht, sind in den unteren Gerichtsebenen nur völlige Versager, geistige Krüppel oder Minderbemittelte unterwegs, dass solche Fälle überhaupt durch die Instanzen gehen können ? Gibt es hierzulande keine untere Charge mehr mit genug Rückgrat, solche Bagatellen letztinstanzlich abbügeln zu können, oder dürfen sie das am Ende nicht ?

Interessant ist doch, dass das Landesarbeitsgericht sich bei einem Streitgegenstand von 1,8 cent scheinbar als hinreichend kompetent ansah, keine Revision vor dem Bundesarbeitsgericht zuzulassen, bei 1,30 Euro hingegen nicht. Das bietet einen erschreckenden Einblick in den Kompetenzrahmen und die Belastbarkeit von Urteilen der mittleren Instanzen.

Die Gerichte sind überlastet, letztinstanzliche Urteile brauchen Jahre, fragt sich irgendwer noch, wieso ? Offenbar kaum jemand, denn die achselzuckende Akzeptanz solchen Schwachsinns ist mittlerweile erschreckend hoch.

Auch ich ertappe mich dabei, solche Dinge als erquickliche Don-Quichote-gegen-die-Windmühlen-Episoden zu empfinden. Dabei sollte ich, sollten viele eigentlich aufschreien. Auch Milliarden werden Euro für Euro gespart. Und jeder "wichtige" Fall, der wegen solcher Banalitäten auch nur einen Tag später entschieden werden muss, kostet potentiell eine Menge Geld.

Mittwoch, 1. September 2010

Stellenausschreibung

Kann mir das bitte jemand programmieren ?

Projektabwicklung

Gerne bis gestern, danke.

Montag, 30. August 2010

Windows 7 sucht nicht in allen Dateien

Achtung, geek-Content ! Hausfrauen, Kinder und Herzkranke bitte weiter gehen, es gibt hier nichts zu sehen.

Windows verblüfft ja immer wieder mit der Fähigkeit, bestimmte eingeübte Dinge in einer neuen Version entweder per default gar nicht mehr zu können, oder die Funktion dafür so gut zu verstecken, dass nicht mal mehr google einen weiter bringt.

Heute: Die Suche in Dateien, am Beispiel von SQL

Stellen wir uns mal vor, wir haben Dateien vom Typ "*.sql" auf der Platte, weil wir SQL-Server programmieren. Wir wissen ganz genau, dass in einer davon der Text "BitSet" vorkommt, weil wir vor Unzeiten mal mit Bitoperationen rumgepfuscht hatten.

(Es könnten auch pdf-Dateien sein, und man hat keinen PDF-Reader installiert, oder, oder...)

Stellen wir uns weiter vor, auf der Maschine wo die Daten liegen ist keine Anwendung mit SQL-Dateien verknüpft ... weil wir sowas nur in VMs bearbeiten oder es ein Fileserver ist oder ... jedenfalls weiss Windows 7 nicht, wie es mit SQL-Dateien beim öffnen umgehen soll.

Ganz Mensch gibt man im Suchfeld ein: .sql text:BitSet, soweit so gut, nicht wirklich intuitiv aber wir wollen nicht maulen, doch man ahnt es schon, manche Sachen ändern sich nie ... der Explorer wird unseren Suchbegriff nicht finden, toll. Benennt man die SQL-Datei auf .txt um verkündet er jedoch freudestrahlend, den Suchbegriff gefunden zu haben.

Nun wird man kaum seine ganzen Dateien auf der Platte auf .txt umbennen wollen, nur damit der Explorer den Inhalt durchsucht.

Unter XP war das einfach:
regedit HKEY_LOCAL_MACHINE \ SYSTEM \ CurrentControlSet \ ContentIndex -> FilterFilesWithUnknownExtensions von 0 auf 1.

Und Windows 7 ist es ... anders.
  • Systemsteuerung
  • Leistungsinformationen und Tools
  • Indizierungsoptionen anpassen
  • Knopp "Erweitert"
  • Lasche "Dateitypen"
  • ... und nu gräbt man die Dateitypen durch um die es geht und stellt jeweils ein, dass bitte nicht nur die Eigenschaften indiziert werden sollen, sondern bitte auch die Dateiinhalte ...
  • ... gibt's die Endung noch nicht, fügt man sie hinzu.


Und 'schon' hat man die Möglichkeit, auch zu finden was man sucht. Ist doch herrlich, ein simples naturwissenschaftliches Diplom reicht nach wie vor völlig aus, um Windows zu bedienen.

Diesen August

hätte ich Pflanzen auf dem Balkon haben sollen. Ich hätte sie nicht einmal giessen müssen.

Kann man Teichrosen eigentlich in Blumenkästen setzen ?
Oder gibt's irgenwelche anderen schwimmenden Pflanzen ? ... alles andere wär ja ersoffen.
Kommen Teichfrösche bis in den zweiten Stock ? ... wär ein Argument dagegen.

Ich hätte in Biologie besser aufpassen müssen, irgendwie hab ich bei Prilblumen aufgehört.

Sonntag, 29. August 2010

Kulturcontent

Ich bin ja nu wirklich kein Klassikfan, weiss jeder. Aber es gibt ein paar Menschen die wissen, dass Smetana's Moldau 'mein Stück' Klassik ist.

Einer hat mir heute einen Gefallen tun wollen. Berliner Symphoniker, dirigiert von Karajan.

Oh je. Wir Deutschen können ja vieles, aber von solchen Sachen sollten wir einfach die Finger lassen. Technisch einwandfrei gespielt und dirigiert, keine Frage ... perfekt, bloss tot.
Himmel Arsch und Zwirn, das ist nicht Wagner! Und eben weil's keine sechs Stunden lang ist und man als Dirigent nicht drauf achten muss, dass einem die Hälfte des Publikums nicht unterwegs wegstirbt, muss man da auch nicht durchgaloppieren wie eine Horde Büffel!

Zum reinhören, es reicht der Auschnitt 1:00 bis 3:00:

Die Humtata-Version.

Als Vergleich, nur so als Beispiel (die schönste langsame Version die ich kenne konnte ich nicht finden, Kubelik mit dem tschechischen Symphonieorchester): Michael Holmes, Varna Philharmonic Orchestra, Bulgarien

Tja, und auch wenn es unpopulär ist, sowas zur Zeit zu sagen: Die Slawen haben das Gen, diese Musik zu spielen, wir haben's nicht.

...

Und nu darf ich auch noch feststellen, dass mein heissgeliebter Wray & Nephew White Overproof 62,8% nicht nur bei mir, sondern offenbar auch beim dealer meines Vertrauens leergesoffen ist. Keinen Schreibtisch gefunden und nix um den Frust runterzuspülen, was bitte hab ich verbrochen ?
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a life less ordinary ?

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