Freitag, 18. April 2008

Kalender-Reform

Ich proklamiere hiermit einen neuen Kalender. Der aktuelle ist schon viel zu alt und unflexibel.

Ausserdem ist die Umrechnerei einfach blödsinng. Wer will schon, dass ein Tag 86400 Sekunden hat, oder eine Woche 168 Stunden, sowas ist doch dämlich, kann sich doch kein Aas merken.

Darum fordere ich hiermit den dezimalen Kalender.

1) Der Tag hat 10 Stunden
Wer kennt nicht den lustigen Spruch "ich brauch Dich mal 5 Minuten !" ? Und schwupps ist es Mittag. Oder Besprechungen, die von 15-16 Uhr angesetzt sind und Du siehst beim Heimgehen die Sterne am Himmel leuchten. Ist doch Unfug sowas. Es gibt nur noch 10 Stunden, die sind dafür ein wenig länger.

2) Die Woche hat 10 Tage
Nur Minderleister kommen heutzutage mit den lächerlichen 5 Arbeitstagen aus, die uns der gregorianische Kalender vorschreibt. Also tun wir etwas dagegen und machen die Woche länger.

Montag
(ehemals Montag)
Wie war es bisher ? Du kommst ins Büro, und die Mailbox läuft über, gefüllt von all den Strategen, die seit halb acht nägelkauend auf ihrem Stuhl sitzen und Dir ganz ultradringend etwas mitteilen müssen, auf dem sie schon das ganze Wochenende rumgebrütet haben. Eigentlich hast Du keine Zeit dafür, denn auch Dein Posteingang läuft über.

Wie wird es sein ? Der ganze Tag ist reserviert für Panikmeldungen der Kunden, weil am Wochenende so ein 'komisches Licht' am Server gebrannt hat, für epische Schilderungen von Kollegen, weil Lars-Kevin am Sonntag zum ersten Mal alleine die Treppe bestiegen hat ohne sich dabei den Hals zu brechen, und für alle anderen unwichtigen Kleinigkeiten.

Montag II
(neu)
Der Montag zwo ist der Tag, an dem man den ganzen Scheiss bearbeitet, der übers Wochenende aufgelaufen ist, und im Gegensatz zum Rest wirklich wichtig.

Montag III
(neu)
Der Montag drei ist gedacht für die ganzen Dinge, die man eigentlich am Montag machen wollte. Bisher hatte man sie spätestens am Freitag gebetsmühlenartig auf den folgenden Montag verschoben, wohl wissend, dass man ohnehin nicht dazu kommen wird. Nun ist endlich mal Zeit dafür.

Meetingtag
(ehemals Dienstag)
Wie war es bisher ? Keiner wollte sich gleich den Wochenanfang versauen und daher hat niemand Besprechungen für Montag angesetzt. Also waren sie typischerweise Dienstag. Dafür geballt.

Wie wird es sein ? Am Meetingtag findet nichts weiter statt als Besprechungen. Unterbrochen natürlich von der mittäglichen Kampfabstimmung, ob wir das Essen vom Thai oder vom Italiener holen. Sind zu wenig Besprechungen angesetzt, ist der restliche Tag per Definition als Wochenende zu werten.

Motivationstag
(ehemals Mittwoch)
Es geht rauswärts, das Wochenende ist am Horizont zu sehen. Kann so bleiben.

Kalendertag
(ehemals Donnerstag)
Du lugst um die Ecke des Büros. Der Gang ist frei. Und los. Nächste Ecke, oh je, da ist einer, schnell in der Toilette verschwinden. Zwei Minuten später nimmst Du die nächste Etappe zur Küche in Angriff, denn Du willst Deinen Kaffee haben. Scheisse, Kanne leer, das heisst 5 Minuten ungeschützt und ohne Waffen da sein. Und schon kommen sie wie die Fliegen und scheissen Dir den Kalender mit Terminen zu. Schluß damit.

Termine werden nur noch am Kalendertag gemacht. Das heisst, neun von zehn Tagen kann man entspannt und ohne Verkleidung auch mal fünf Minuten in der Lobby abhängen. Und sie können Dich ansabbern, während die Dich sehen, aber sie können nicht den Kalender versauen. Kalendertag wird sich voraussichtlich zu einem der beliebtesten Krankheitstage entwickeln.

Telefontag
(ehemals Freitag)
"Freitag ab eins macht jeder seins", hiess es früher. Galt aber nur dann wenn man das Telefon aus der Wand gerissen hat. Denn ab eins wurde telefoniert. Man wurde von Gott und der Welt angerufen um irgendwelche unwichtigen Details in epischer Breite zu klären. Natürlich noch vor dem Wochenende und eigentlich nur deshalb, weil der Anrufer beim besten Willen nichts besseres mehr zu tun hatte, aber bis zum Kernzeitende noch im Büro verharren musste.

Das wird anders. Telefontag früh ist grundsätzlich arbeitsfrei. Ab 13 Uhr finden sich alle Mitarbeiter im Büro ein, um als Ansprechpartner für die Gleitzeitneurotiker zur Verfügung zu stehen.

Anlagenstillstandstag
(ehemals Freitag ab 16 Uhr)
Du hast die Jacke an und das Dutzend über die Woche angesammelten Kaffeebecher schon zu einem lustigen und unübersehbaren Turm gestapelt, da klingelt das Telefon. Die Gleitzeitbrigade ist schon auf dem Weg, die Innenstadt zu verstopfen, also muß es wichtig sein. Aus einem Mund schallt der Ruf "Volle Deckung, Anlagenstillstand" und alles hechtet in Richtung Parkplatz.

Ich habe jedoch letzte Woche die Telefonanlage mit der zentralen Schliessanlage gekoppelt. Und weil wir einen ganzen Tag Zeit haben, wird es auch nicht so hektisch. Man muß nicht mehr mit Flex und Skalpell arbeiten, man kann sogar mal nachdenken. Ist doch herrlich.

Einkaufstag
(ehemals Samstag)
Da wir aufgrund der Tatsache, dass wir nunmehr 40 Arbeitstage pro Monat, und somit 400 Arbeitsstunden, massig Überstunden angesammelt haben, die wir ohnehin nicht abfeiern können, muß die Kohle ja irgendwo hin. Also ab in die Stadt, und mit den Hausfrauen um goldgeränderte Salami und platinversiegeltes Geschirr raufen.

Besprechungstag
(ehemals Sonntag)
Bei einer so stylischen und stressfreien Arbeitswoche braucht doch selbst das grösste Weichei keinen weiteren freien Tag. Also können wir, wie vorher auch, Sonntag mittag Besprechungen ansetzen für die Dinge, die lichterloh brennen, aber trotz unserer fantastischen Wochenplanung nicht geschafft werden konnten. Spätestens dies wird auch dazu führen, dass über kurz oder lang nicht nur Bäckereiketten mit widerlichen Pappbrötchen geöffnet haben werden, sondern ausserdem auch Metzger, Gemüsehändler und Getränkemärkte. Denn üblicherweise trifft man sich zu einem Brunch, das eventuelle Formel1-Liveübertragungen umfaßt.

Und hey, zwei Wochen Urlaub haben doch gleich eine ganz andere Wirkung, wenn es sich dabei um satte 20 Tage handelt.

Sonntag, 13. April 2008

Same Procedure As Every Year

Invest Stuttgart 2008 (http://www.messe-stuttgart.de/invest), same procedure as every year.

Bevor wir zu den Wertungen kommen, muss darauf hingewiesen werden, dass aufgrund der gegenwärtigen Kredit- und Sub-Prime-Krise etliche Teilnehmer der letzten Jahre aufgrund von Insolvenz dauerhaft verhindert waren. Dies verzerrt natürlich die Wertungen im Vergleich zu den Vorjahren.

Die Wertung in der Kategorie Standpersonal und Papier-Entgegenhalterinnen:

Durchwegs lecker. Bauchfrei war dieses Jahr ebensowenig angesagt wie der Politessen-Look aus dem vorvergangenen Jahr. Statt Nabel zu zeigen wurde dieses Jahr Bein gezeigt. Gerne in 15 den und in Cocktailkleidern, bei den Österreichern auch in Sissi-ähnlichen Roben. Die arabischen Freunde hatten ihre Damen in knallbunte samtene Kleidchen gehüllt und liessen sie alle halbe Stunde etwas vorführen, das ein Schwabe möglicherweise als Bauchtanz hätte durchgehen lassen. Der prinzipiell appetitanregende Anblick der Damen wurde erst durch leichten Schweissgeruch, später durch exzessive Parfümnutzung gestört. Insgesamt kann man jedoch sagen, dass durchaus eine gute Wahl getroffen wurde.

Tendenziell bleibt allerdings festzustellen, dass die Messeschwalben weniger der brauchbaren, sondern mehr der adoptionsfähigen Altersgruppe entstammen. Ihre mangelnde Erfahrung zeigt sich dadurch, dass man sie mit einem gelächelten "danke nein" noch vollkommen aus der Fassung bringen kann.

Hier nun die offizielle Wertung im Bereich Catering:

Nachdem die Börse Stuttgart bereits Anfang der 80er Jahre einen Seefrachtcontainer Pfefferminzbonbons bestellt hatte, und noch heute davon zehrt, kann hier natürlich keine grosse Verbesserung in der Rangliste erwartet werden. Dies war offensichtlich auch den Verantwortlichen klar, die daraufhin zusätzlich einen Container mit Erdnüsstütchen bestellt haben. Peanuts sind zwar eigentlich ein Claim der Deutschen Bank, deren Stand jedoch war so klein, dass für Essbares ohnehin kein Platz war.

Die WGZ-Bank warf mit Gummibärtütchen um sich. Und zwar derart, dass bereits gegen 13 Uhr mir ein Mitglied der Standbesatzung im Vertrauen sagte, ich solle soviele Päckchen mitnehmen wie möglich, er hätte keine Lust, sie im Flieger mit zurück zu nehmen. Diese Ehrlichkeit wird mit Platz zwei belohnt. Denn normalerweise öffnet Rudis Resterampe auf der Invest erst gegen 15 Uhr, und erst ab dann wird jeder Besucher zwangsernährt.

Sieger wurde die Gruppe Deutsche Börse mit ihrem Päckchen Smarties. Achtung Hausfrauen: Auch wenn die Grösse der Pillen es nahe legt, diese Smarties sind NICHT zur Verhütung von Schwangerschaften geeignet. Dies sei insbesondere im Hinblick auf die jungen Messeschwalben ausdrücklich angemerkt.

Der Sieg war allerdings hauchdünn, ausgelöst durch die ABN Amro Bank. Nachdem mittlerweile klar ist, dass sie von der schottischen RBS gekauft wird, haben die verbleibenden Angestellten offenbar beschlossen, noch mal so richtig auf die Kacke zu hauen, und eine Kaffeebar aufgebaut, die jegliche Art von schwarzem Wasser schnell, zuverlässig und in hoher Anzahl zubereitet hat. Leider schmeckten sämtliche Sorten gleich, was die ABN letztlich den Sieg gekostet hat.

PEZ-ähnliche Pfefferminzbonbons in zuckerwürfelähnliche Päckchen zu verpacken und zuzusehen, wie Horden von Ahnungslosen diese in ihren Kaffee kippten, führte zu einem Ehrenpreis in der Kategorie Humor, verbesserte allerdings den Geschmack des Kaffees nur unwesentlich.

Die Landesbank Berlin erhält einen Sonderpreis im Bereich Ausbildung. Sie hatte festverschlossene Dosen im Red-Bull-Format im Angebot. Auf die Frage ob darin etwas anderes als Luft enthalten sei, konnte bereits die dritte befragte Blondine eine halbwegs plausible Antwort geben, auch wenn sich die versprochenen Erdnüsse später als Knabbergebäck herausstellten.

Das betreiberseitige Catering der neuen Messe Suttgart ist zu vernachlässigen, abgesehen von mehreren SelfService-Bars war nichts zu finden, das den Begriff Messerestaurant verdienen würde.

Kommen wir nun zur offiziellen Wertung in den Give-Away-Kategorien:

Generell ist die Tendenz zum Bundling festzustellen. An der Hälfte der Stände kann man nicht einfach händeweise Kugelschreiber, Pfefferminzbonbons odder Gummibären mitnehmen, das Zeug ist auf abenteuerliche Weise mit dem jeweiligen Papiermüll der Firma verknüpft. Durch das konsequente Weglassen jedweden Papierkorbs in der Messehalle ist der unerfahrene Messebesucher also darauf angewiesen, den Papiermüll mit nach Hause zu nehmen, um ihn erst dort zu entsorgen. Professionelle Messebesucher entsorgen ihn natürlich in einer der Lounges, bzw. im Themenpark der Wirtschaftswoche, während einer Vortragspause.

Auch muss gesagt werden, dass die Kreditkrise auch in dieser Kategorie ihre Spuren hinterlassen hat. So haben etliche Banken von Kugelschreibern auf Bleistifte umgesattelt. Allerdings handelt es sich hierbei durchwegs noch um Modelle mit angeflanschtem Radiergummi. Es steht also zu erwarten, dass der Boden der Märkte noch nicht erreicht ist, dieser wird erst dann erreicht sein, wenn alle Banken auf Bleistifte umgesattelt haben, ohne Radiergummi, und ohne Minen.

Die Stofftaschen von Franklin Templeton sind wie in den Vorjahren Sieger in der Kategorie Wiederverwendbarkeit. Erstens dezent dunkelblau, zweitens unkaputtbar.

Das Zertifikate Journal hätte an sich einen Preis verdient in der Kategorie Innovation, durch die Bereitstellung von Einwegfeuerzeugen mit integriertem Flaschenöffner. Dies wirft ein bezeichnendes Bild auf die Praxistauglichkeit von Bankern, die nun auch offiziell zu blöd sind, mit einem Einwegfeuerzeug auf normalem Weg eine Bierflasche zu öffnen.

Dieser Preis ging jedoch an die neuen Marktteilnehmer, die sich offenbar abgesprochen hatten und sämtlich lustige Visitenkartenhalter für den Schreibtisch, ölgefüllt, bereit stellten. Auch wenn das an sich eine lobenswerte Neuerung darstellt, das Gewicht dieser Dinger führt nach mehreren Stunden zu orthopädischen Problemen. Zumindest wenn man ein halbes Dutzend davon mit sich rum schleppt. Trotzdem wurden hiermit die oben erwähnten Feuerzeuge für Grobmotoriker ausgestochen.


Einen Sonderpreis erhält dieses Jahr Sal. Oppenheim, für die Bereitstellung schlafsackgrosser Umhängetaschen bereits am Eingang.

Den Spezialpreis in der Kategorie Planungsfehler erhält dieses Jahr die Direkt Anlage Bank, die sich erfolgreich gegen den Vorjahressieger Palfinger Kranbau durchsetzen konnte. Entweder hat man in München den Schlaf der Doofen geschlafen, oder man wurde von der Krise der Bayerischen Landesbank doch ärger in Mitleidenschaft gezogen als erwartet. Jedenfalls konnte der telefonzellengrosse Stand im unattraktivsten Eck der ganzen Messehalle erst gegen 15:30 Uhr gefunden werden.

In der Kategorie Vorträge gab es ein Unentschieden zwischen Heiko Thieme und Friedhelm Busch. Während Ersterer im Stundentakt ein komplettes Auditorium dauerhaft einschläferte, war der unkaputtbare Busch zu jeder denkbaren Zeit an irgendeinem Stand präsent, zog damit jeweils eine Horde Jünger an, und hielt sie so aus dem Weg und beschäftigt.

Insgesamt ein durchaus gelungenes, und leidlich nahrhaftes Event. Kugelschreiber können bei mir abgeholt werden, Mindestabnahme 50 Stück.

Mittwoch, 9. April 2008

Ohrensausen

Ich geb's zu, ich bin ein musikalisch vollkommen charakterloser Mensch. Ich kann ohne Musik nicht funktionieren, habe aber kein Problem damit, in der Tracklist Schwermetall neben dem Besten aus 20 Jahren Pop-Brei zu haben.

Kein Wunder, von den meisten Alben hebe ich allenfalls zwei, drei Songs auf, den restlichen Schwund lösche ich, egal wie sorgfältig der Künstler die Titel arrangiert hat. Wollte ich heut auch tun. Hat aber nicht geklappt ... in der Badewanne liegend kommt man halt doch recht schwer an die Tastatur im Wohnzimmer ran.

Und so hab ich grade eher durch Zufall das komplette "Back To Black" - Album durchgehört. Bisher hatte ich Amy Winehouse ausschliesslich im Boulevardteil der Zeitungen gesehen, aber nichts von ihr gehört ... mea culpa, aber ich dachte, das ist eine weitere Hupfdohle aus dem grossen casting.

Meine Güte, das Ding ist der Kracher. Seit Jahren keine derartige Stimme gehört.

You're walking a thin line, Amy. Keine Ahnung wie eine so fantastische Röhre in so einen zerschundenen Körper gekommen ist. Mädel, Du bist auf den Tag 19 Jahre nach mir geboren. Aber Dich würd ich gern noch mal singen hören, wenn Du 40 bist. Chapeau !

Montag, 7. April 2008

Geek-Tangram

Ihr kennt doch sicher diese japanischen Puzzles. Wo man aus einem kleinen Haufen windschiefer, schwarzer Plastikdinger einen Schwan, ein Dreieck, oder irgendwas anderes lustiges zusammenlegen soll, ohne ein Teil übrig zu behalten.

Geeks finden sowas langweilig. Ausserdem sind Geeks Grobmotoriker mit begrenztem geometrischem Verstand.

Also spielen Geeks das auf eine ganz eigene Art. Und zwar in einem quadratischen, 36 Quadratmeter grossen Büro, mit sechs je 4,5 Quadratmeter grossen Schreibtischen.

Klingt einfach, weil keine windschiefen Teile im Spiel sind. Wäre es auch, wären da nicht folgende Nebenbedingungen:

- Die Chefsekretöse hat zwei Tage über einem Visio-Plan gebrütet und mit Hilfe von drei Azubis eine Anordnung gefunden, die ästhetisch einwandfrei ist. Gut, man kann an zwei der Tische nicht sitzen und einen der Schränke nicht öffnen, aber Schwund ist ja immer.

- Der Bürobereitsteller hat extra sechs Tische gekauft. Wir sind zwar nur zu viert, aber man kann ja nie wissen. Und jeder weiss, Tische sind ein rares Gut. Man kann nicht einfach in den Laden gehen und einen fünften und einen sechsten dazu kaufen und binnen 24 Stunden liefern lasssen, wenn man ihn braucht.

- Weil der Bürobereitsteller in seiner gnadenlosen Güte sechs Tische gekauft hat, reagiert er mit völligem Unverständnis auf den Vorschlag, er solle sich zwei davon an den Hut stecken. Es sind also weiterhin sechs Tische zu verbauen.

- Jeder will am Fenster sitzen, was die Lage zusätzlich erschwert.

- Steckdosen sind reichlich vorhanden, allerdings nur an der Fensterseite.

Nachdem wir diverse Varianten durchprobiert und verworfen hatten - niemand kann schliesslich von einem Rudel ausgewachsener Ingenieure erwarten, sich sechs Tische in einem Raum vorzustellen - und nur mit Mühe davon abzuhalten waren, die Tische übereinander zu stellen, haben wir nun eine Anordnung gefunden, die alle nur ein wenig unglücklich macht:

- Obwohl wir sechs Tische haben, hat einer nur einen halben Tisch zur Verfügung.
- Nur zwei Mann sitzen am Fenster.
- Obwohl wir uns eigentlich gegenüber sitzen, brauchen wir an sich ein Telefon um miteinader zu reden.
- Wenn ich noch zwei Kilo zunehme, komme ich nicht mehr an meinen Schreibtisch.

Aber ich hab ja schon bei der Gründung gesagt, man muss einen schmalen Arsch haben, um in dieser Abteilung zu arbeiten.

Dienstag, 1. April 2008

Schwarze Spaghetti

Blechotto = 1 Kabel. 2 Displays = 4 Kabel. Keyboard + Maus = 2 Kabel. Netzwerk + Fernwartung = 3 Kabel. USB-Platte 1 = 2 Kabel. USB-Platte 2 = 1 Kabel. Ein Notebook, 4 weitere Kabel.

In Summe 17, davon 6 mal Strom. Passen natürlich aufgrund hirnrissiger Bauformen der Steckernetzteile nicht in eine 6er Schaltleiste. Also kaskadiert man zwei davon.

Als wir vier vor ein paar Wochen vorübergehend in einen Besprechungsraum umgezogen sind haben wir noch versucht, eine als solche erkennbare Verkabelung hinzubekommen, trotz des Wissens, das sich dies bald erneut ändern wird. Und natürlich sitzen wir alle um das typisch deutsche Besprechnungszimmerbarock aus mehreren zusammengestellten, ungeheuer stylischen Tischen herum. James.T.Kirk's Brücke ist ein Scheissdreck dagegen. Pearl Harbour allerdings auch.

Als dann der erste Switch dazu kam, legten wir seine zwei Kabel einfach oben auf den Haufen in der Hoffnung, ihn würden wir als erstes wieder abbauen.

Als dann der erste Server kam, legten wir seine sechs Kabel einfach oben auf den Haufen in der Hoffnung, ihn würden wir als erstes wieder abbauen.

Als dann die Waage dazu kam, legten wir ihre 4 Kabel einfach oben auf den Haufen in der Hoffnung, sie würden wir als erstes wieder abbauen.

Als dann die Steuerung dazu kam, legten wir ihre 2 Kabel einfach oben auf den Haufen in der Hoffnung, sie würden wir als erstes wieder abbauen.

Als dann auffiel, dass ein kleiner Switch nu nicht mehr reicht, legten wir den neuen einfach oben auf den Haufen in der Hoffnung, ihn würden wir als erstes wieder abbauen. Inklusive der zwei Kabel.

Als dann der Panel-PC kam, wir seine 4 Kabel einfach oben auf den Haufen in der Hoffnung, ihn würden wir als erstes wieder abbauen.

Als dann die Stromversorgung schlapp machte, legten wir die Kabeltrommel mit dem Drehstrom einfach oben auf den Haufen in der Hoffnung, sie würden wir als erstes wieder abbauen. Inklusive der zwei zusätzlichen Steckerleisten, die wir brauchten, um die neun schon vorhandenen Steckerleisten darauf zu stecken.

Als letzte Woche ein Kollege reinschneite und fragte 'hat mal einer schnell ein Netzwerkkabel ?', haben wir im Chor geantwortet: 'eins ? hunderte ! such Dir eins aus !' und unter den Tisch gezeigt. Wir haben seither nichts mehr von ihm gehört. Das ist schade, er war nett und wir wollten ihn für unser Team gewinnen. Seither laufen allerdings vermehrt Anfragen nach kabelloser Stromversorgung bei uns auf.

Als wir gestern den Server abbauen wollten, gingen wir nach zwei Stunden verzweifelt in die Hardwareabteilung, denn seine sechs Kabel zu finden hätte weitere Stunden gekostet. Die Hardwareabteilung schickte uns in unser Besprechungszimmer, das Kabellager sei seit 1.3. dort.

Auch andere Abteilungen schicken seit einer Woche Gefangene zu uns. Manchmal sind die Mitgefangenen bei ihrem Eintreffen rabiat. Aber sobald sie das Kunstwerk unter dem Tisch sehen, werden sie ruhiger. Sie verlassen den Raum, selig lächelnd und vollkommen überzeugt, nie in ihrem Leben wieder ein Kabel zu benötigen.

Das wiederum rief die Betriebspsychologin auf den Plan. Sie hat sich beschwert, dass sie noch zwei volle Paletten Valium kurz vor dem MHD hätte, aber keiner mehr welches brauchen würde. Wir haben ihr gesagt, sie soll es selber nehmen. Daraufhin ist sie mit ihrem Assistenten für zwanzig Minuten unter dem Tisch verschwunden. Ob sie Sabotage getrieben oder irgendwelche SM-Spiele veranstaltet haben, wissen wir nicht, wir glauben, mittlerweile müsste fast alles mehrfach redundant verkabelt sein.

Ich fürchte allerdings, der Kabelbaum hat ein Eigenleben entwickelt, womöglich sogar so etwas wie Intelligenz. Seit gestern versuche ich, die eine USB-Platte (siehe oben) mit Netzteil aus dem Verhau zu stöpseln. Eigentlich erst seit heute, gestern habe ich mich einfach nicht getraut. Und ich hatte recht, denn heute hat hat mich der erste Switch (siehe auch oben) mit der einzigen seiner vielen Dioden, die in dem Verhau noch sichtbar war, ärgerlich angeblinkt. Zumindest so lange, bis ich versehentlich auch seine Stromversorgung ausgesteckt hatte. Nachdem ich vorher, unter den Tischen in einem Riesenteller schwarzer Spaghetti herumkriechend, zwei komplette Schaltleisten und mindestens zwei andere Geräte versehentlich ausgeknipst hatte. Nachdem einer der beleuchteten Steckerleistenschalter defekt war, habe ich beim Versuch, sie wieder einzuschalten, dann die dritte Schaltleiste ausgeschaltet, was zu noch grösserem Frohlocken im ganzen Raum geführt hat.

Das USB-Kabel zum Rechner suche ich noch. Es wird beim Umzug wieder auftauchen. Der soll Freitag sein. Wenn das Kabelungeheuer uns lässt.
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